<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Brigitte Jäger-Dabek</title>
	<atom:link href="http://www.jaeger-dabek.com/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.jaeger-dabek.com</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Wed, 11 Aug 2010 16:56:05 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.2</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Guten Morgen</title>
		<link>http://www.jaeger-dabek.com/guten-morgen/</link>
		<comments>http://www.jaeger-dabek.com/guten-morgen/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 11 Aug 2010 16:51:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Brigitte Jaeger-Dabek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jaeger-dabek.com/?p=270</guid>
		<description><![CDATA[Guten Morgen, graues Gesicht
Guten Morgen Du da im Spiegel,
sieh mich an!
Ins Licht gezerrt
aus schlafloser Nacht,
blinzelnd und m&#252;de.


No related posts.

Ähnliche Artikel bereitgestellt von <a href='http://mitcho.com/code/yarpp/'>Yet Another Related Posts Plugin</a>.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Guten Morgen, graues Gesicht<br />
Guten Morgen Du da im Spiegel,<br />
sieh mich an!<br />
Ins Licht gezerrt<br />
aus schlafloser Nacht,<br />
blinzelnd und m&#252;de.<br />
Nach Ruhe schreiend schon am Morgen.<br />
Betriebsbereit nur<br />
hinter grauer Zottelm&#228;hne die Chaosbox.</p>
<p>Guten Morgen, schwarze Seele,<br />
guten Morgen Schmerz,<br />
da seid ihr wieder!<br />
K&#246;nnt’ ich ohne Euch leben?<br />
Ohne das Chaos, das treibt,<br />
dr&#228;ngt, so viel Sch&#246;nes<br />
schafft aus so viel Dunkel?<br />
M&#246;chte ich leben in Ruhe?<br />
Ohne Fragenzeichen in mir?﻿</p>

<p style='text-align:left'>&copy; 2010, <a href='http://www.jaeger-dabek.com'>Brigitte Jaeger-Dabek</a>. All rights reserved. </p><div class="seitzeichen" style="margin: 10px 0;"><script type="text/javascript">szu='http%3A%2F%2Fwww.jaeger-dabek.com%2Fguten-morgen%2F'; szt='Guten+Morgen';</script><script type="text/javascript" src="http://w4.seitzeichen.de/w/32/21/widget_3221b02dc9b1b0710c4562b9a083dc56.js"></script></div>

<p>No related posts.</p>
<p>Ähnliche Artikel bereitgestellt von <a href='http://mitcho.com/code/yarpp/'>Yet Another Related Posts Plugin</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jaeger-dabek.com/guten-morgen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der Mann, das stinkende Wesen?</title>
		<link>http://www.jaeger-dabek.com/der-mann-das-stinkende-wesen/</link>
		<comments>http://www.jaeger-dabek.com/der-mann-das-stinkende-wesen/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 07 Jul 2010 13:15:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Brigitte Jaeger-Dabek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Absurdes]]></category>
		<category><![CDATA[absurdistan]]></category>
		<category><![CDATA[deo]]></category>
		<category><![CDATA[schweiß]]></category>
		<category><![CDATA[tv werbung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jaeger-dabek.com/?p=267</guid>
		<description><![CDATA[Sind M&#228;nner allesamt schwei&#223;triefende Stinkmorcheln? Die TV-Werbung scheint uns jedenfalls einreden zu wollen, dass wir 48 Stunden wirkende Deos brauchen. Geschichte aus Absurdistan.


No related posts.

Ähnliche Artikel bereitgestellt von <a href='http://mitcho.com/code/yarpp/'>Yet Another Related Posts Plugin</a>.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Zu Zeiten der Fu&#223;ballweltmeisterschaft sticht es dem geneigten Fernsehzuschauer besonders ins Auge oder in die Nase: Glaubt man der TV-Werbung, scheint einen dringenden Bedarf daf&#252;r zu geben endlich dem gemeinen m&#228;nnlichen Schwei&#223; die Rote Karte zu zeigen.  Dieser Bedarf scheint so gro&#223; zu sein, dass laut Werbung gleich mehrere Produkte endlich die lange gesuchte L&#246;sung f&#252;r das Problem bieten: ein spezielles Deo mit Ultralangzeitwirkung.</p>
<p>Hurra!! Gott sei Dank gibt es Fernsehwerbung! So erf&#228;hrt das gemeine Volk den Weg zum schwei&#223;losen Gl&#252;ck. Endlich nicht mehr Tausende von stinkenden M&#228;nnern auf engstem Raum im Fu&#223;ballstadion oder beim Public Viewing zusammengedr&#228;ngt! 48 Stunden lang Freiheit von der allgegenw&#228;rtigen Geruchsbel&#228;stigung und ekligen, den Schwei&#223; beim Jubeln gleichm&#228;&#223;ig &#252;ber die Nachbarschaft verspr&#252;henden Hemden mit riesigen Schwei&#223;flecken. Sch&#246;ne neue Sommerwelt, man m&#246;chte Werbung und Produzenten auf Knien danken f&#252;r diese Produkte.</p>
<p>Hallo? Merkt eigentlich noch jemand etwas? Nichts gegen geistreiche TV-Werbung aber doch nicht so etwas! Sind M&#228;nner – die weitaus &#252;berwiegende Mehrzahl dieser Produkte ist ja f&#252;r M&#228;nner gedacht – etwa allesamt Stinkmorcheln? Und wer braucht eigentlich ein Deo, das 48 Stunden wirksam ist?</p>
<p>Falls ein 48-Stunden-Deo gebraucht wird, sollte man es doch anders bewerben, vielleicht als &#214;ko-Produkt, das hilft dann, den &#252;bergro&#223;en Wasserverbrauch der 1. Welt zu verringern, denn Mann braucht ja nun lopgischer Weise erst nach 48 Stunden wieder zu duschen. Sonst w&#252;rde er ja die sch&#246;nen Wirksubstanzen des Hightech-Deos einfach so abwaschen und ins Abwasser sp&#252;len.</p>
<p>Absurdistan l&#228;sst gr&#252;&#223;en mit Produkten, die die Welt nicht braucht!</p>

<p style='text-align:left'>&copy; 2010, <a href='http://www.jaeger-dabek.com'>Brigitte Jaeger-Dabek</a>. All rights reserved. </p><div class="seitzeichen" style="margin: 10px 0;"><script type="text/javascript">szu='http%3A%2F%2Fwww.jaeger-dabek.com%2Fder-mann-das-stinkende-wesen%2F'; szt='Der+Mann%2C+das+stinkende+Wesen%3F';</script><script type="text/javascript" src="http://w4.seitzeichen.de/w/32/21/widget_3221b02dc9b1b0710c4562b9a083dc56.js"></script></div>

<p>No related posts.</p>
<p>Ähnliche Artikel bereitgestellt von <a href='http://mitcho.com/code/yarpp/'>Yet Another Related Posts Plugin</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jaeger-dabek.com/der-mann-das-stinkende-wesen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Das deutsche Multikulti-Fu&#223;ballwunder</title>
		<link>http://www.jaeger-dabek.com/das-deutsche-multikulti-fussballwunder/</link>
		<comments>http://www.jaeger-dabek.com/das-deutsche-multikulti-fussballwunder/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 28 Jun 2010 07:01:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Brigitte Jaeger-Dabek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[fußballnationalmannschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Integration]]></category>
		<category><![CDATA[mas integracion]]></category>
		<category><![CDATA[migranten]]></category>
		<category><![CDATA[multikulti]]></category>
		<category><![CDATA[weltmeisterschaft]]></category>
		<category><![CDATA[wm]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jaeger-dabek.com/?p=263</guid>
		<description><![CDATA[Deutschland –  más integración
Nun ist Fu&#223;ball ja generell Emotion pur, aber was da gestern im WM-Achtellfinale in S&#252;dafrika zwischen Deutschland und England passierte, wird sicherlich einmal als Sternstunde des deutschen Fu&#223;balls bezeichnet werden.
Die Nation war aus dem H&#228;uschen, als ob der Titel gerade gewonnen worden war. Und das lag weder an der historischen H&#246;he des [...]


No related posts.

Ähnliche Artikel bereitgestellt von <a href='http://mitcho.com/code/yarpp/'>Yet Another Related Posts Plugin</a>.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><h3>Deutschland –  más integración</h3>
<p>Nun ist Fu&#223;ball ja generell Emotion pur, aber was da gestern im WM-Achtellfinale in S&#252;dafrika zwischen Deutschland und England passierte, wird sicherlich einmal als Sternstunde des deutschen Fu&#223;balls bezeichnet werden.</p>
<p>Die Nation war aus dem H&#228;uschen, als ob der Titel gerade gewonnen worden war. Und das lag weder an der historischen H&#246;he des deutschen Siegen – noch nie hatte England ein WM-Spiel mit 4:1 verloren – und es lag auch nicht am tollen Sommerwetter daheim in Deutschland.</p>
<p>Es war die Art, in der dieser Sieg nicht errungen oder erk&#228;mpft sondern erspielt wurde. Mit spielerischer Leichtigkeit kombinationssicher vorgetragene Angriffe, Tempofu&#223;ball mit deutschen St&#252;rmern, die spr&#252;hten vor Kreativit&#228;t. Dieser Fu&#223;ball der feinsten Art begeisterte die Deutschen. Hacke, Spitze, tralala – mehr als nur ein Hauch von S&#252;damerika lie&#223; gr&#252;&#223;en.</p>
<p>Das war es doch, was wir uns immer w&#252;nschten, weg vom Image der deutschen Kraftwalze, dem ewigen britischen Panzervergleich, fort von Blutgr&#228;tsche und deutschen Kampftugenden,  hin zu spielerischer Leichtigkeit mit einem Schuss Genialit&#228;t und einem Spritzer Schlitzohrigkeit. Kurz: Die Begeisterung dar&#252;ber, dass diese Mannschaft Fu&#223;ball nicht nur arbeiten, sondern auch spielen kann.</p>
<p>Und das wird bleiben, selbst wenn uns Argentinien aus den Tr&#228;umen rei&#223;en sollte. Denn diese so junge Mannschaft steht erst am Anfang und hat noch jede Menge Entwicklungspotenzial. Und noch etwas wird hoffentlich bleiben, n&#228;mlich der integrative Faktor dieser Mannschaft. Es ist einfach nicht mehr zu &#252;bersehen: Einwandererkinder bilden das Herz dieser DFB-Elf.</p>
<p>Da sah man im Autokorso Menschen offenbar t&#252;rkischer Herkunft, das Auto mit schwarz-rot-goldenen Farben geschm&#252;ckt, darin Frauen mit Kopftuch, DFB-Fanschal und Vuvuzela, stolz wie Oskar nicht nur auf „ihren“ Mesut &#214;zil, polnisch-deutsch beflaggte Fahrzeuge, die nicht nur „ihre“ Helden Trochowski, Klose und Podolski feierten.</p>
<p>Vieles erinnerte an das Sommerm&#228;rchen von 2006, doch dieses ist anders. Damals waren es die Deutschen als Gastgeber, die zusammen mit ihren G&#228;sten aus aller Welt zusammen feierten. Heute feiern beim Public Viewing und beim Autokorso die in Deutschland lebenden Menschen eine gemeinsame Mannschaft und ein Ereignis, an dem alle gleicherma&#223;en teilhaben, egal on sie hier , in der T&#252;rkei, in Afrika, auf dem Balkan, in Polen, oder sonst wo geboren sind. Es ist so: Diese Mannschaft ist immer auch ein St&#252;ck weit Spiegel der Gesellschaft – eines Einwandererlandes.</p>
<p>Bei diesem Sommerm&#228;rchen begegnen sich diese Menschen in Deutschland zum ersten Mal in etwa auf Augenh&#246;he, egal ob man seit Generationen hier lebt, alteingesessen ist oder Migrant. Man beginnt ein klein wenig zu begreifen in diesem Land, dass es die Migrantenkinder waren, die ein Gro&#223;teil der begeisternden neuen Leichtigkeit in den Fu&#223;ball der deutschen Nationalmannschaft brachte. Und man ist dabei zu lernen, dass man nicht Mesut &#214;zil als Idol feiern kann, und gleichzeitig auf seine Eltern, die t&#252;rkischen Einwanderer herabschauen kann.</p>
<p>&#220;ber die Begeisterung f&#252;r diese deutsche Fu&#223;ballnationalmannschaft wird hoffentlich auch ein St&#252;ck mehr Integration und Wertsch&#228;tzung f&#252;r unsere Zuwanderer in die Gesellschaft &#252;berspringen. Schauen wir doch diese junge Mannschaft an, die zeigt, wie es geht: f&#252;reinander offen sein, einander helfen, bereit sein, voneinander zu lernen und vom anderen das Beste zu &#252;bernehmen und zu integrieren. Es gibt einen sch&#246;nen Werbespot beim Deutschen Fu&#223;ballbund: DFB – mas integracion.</p>
<p>Wie w&#228;re es, das auf die Gesellschaft, denn Alltag zu &#252;bertragen, denn diese WM ist auch eine Chance f&#252;r mehr Integration. Dann hie&#223;e es: Deutschland – más integración.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="445" height="360" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/T3m4c8j780E&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;rel=0&amp;border=1" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="445" height="360" src="http://www.youtube.com/v/T3m4c8j780E&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;rel=0&amp;border=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>

<p style='text-align:left'>&copy; 2010, <a href='http://www.jaeger-dabek.com'>Brigitte Jaeger-Dabek</a>. All rights reserved. </p><div class="seitzeichen" style="margin: 10px 0;"><script type="text/javascript">szu='http%3A%2F%2Fwww.jaeger-dabek.com%2Fdas-deutsche-multikulti-fussballwunder%2F'; szt='Das+deutsche+Multikulti-Fu%C3%9Fballwunder';</script><script type="text/javascript" src="http://w4.seitzeichen.de/w/32/21/widget_3221b02dc9b1b0710c4562b9a083dc56.js"></script></div>

<p>No related posts.</p>
<p>Ähnliche Artikel bereitgestellt von <a href='http://mitcho.com/code/yarpp/'>Yet Another Related Posts Plugin</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jaeger-dabek.com/das-deutsche-multikulti-fussballwunder/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Blog-Tipp f&#252;r Literaturfans mit toller Polen-Reminiszenz</title>
		<link>http://www.jaeger-dabek.com/blog-tipp-fuer-literaturfans-mit-toller-polen-reminiszenz/</link>
		<comments>http://www.jaeger-dabek.com/blog-tipp-fuer-literaturfans-mit-toller-polen-reminiszenz/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 04 Jun 2010 09:54:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Brigitte Jaeger-Dabek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ditt und Datt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jaeger-dabek.com/?p=259</guid>
		<description><![CDATA[Petra van Cronenburg ist eine in Frankreich lebende deutsche Journalistin, deren Blog &#252;ber Literatur und alles, was mit dem Schreiben zu tun hat, &#228;u&#223;erst lesenswert ist.
Nicht nur,  dass sie heute &#252;ber die sich st&#228;ndig verschlechternden Existenzbedingungen in einem einstigen Traumberuf &#8211; dem des freien Journalisten &#8211; schreibt, Sie hat auch eine wunderbare Erinnerung an Polens [...]


Related posts:<ol><li><a href='http://www.jaeger-dabek.com/kleiner-polen-knigge-so-vermeidet-man-die-peinlichsten-fettnaepfchen-im-polen-urlaub/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Kleiner Polen-Knigge So vermeidet man die peinlichsten Fettn&#228;pfchen im Polen-Urlaub'>Kleiner Polen-Knigge So vermeidet man die peinlichsten Fettn&#228;pfchen im Polen-Urlaub</a> <small>Beim Reisen ins Ausland kann man leicht anecken. Andere Länder,...</small></li>
</ol>

Ähnliche Artikel bereitgestellt von <a href='http://mitcho.com/code/yarpp/'>Yet Another Related Posts Plugin</a>.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Petra van Cronenburg ist eine in Frankreich lebende deutsche Journalistin, deren <a href="http://cronenburg.blogspot.com/" target="_blank">Blog</a> &#252;ber Literatur und alles, was mit dem Schreiben zu tun hat, &#228;u&#223;erst lesenswert ist.</p>
<p>Nicht nur,  dass sie heute &#252;ber die sich st&#228;ndig verschlechternden Existenzbedingungen in einem einstigen Traumberuf &#8211; dem des freien Journalisten &#8211; schreibt, Sie hat auch eine wunderbare Erinnerung an Polens wilde Jahre gleich nach der Wende Anfang der 90er auf dem Blog.</p>
<p>Das erinnert an N&#228;chte, die heller waren als heute, N&#228;chte, in denen philosophiert wurde, Freundschaften f&#252;rs Leben geschlossen wurden, der Krimsekt eigentliich ungenie&#223;bar s&#252;&#223; und der Wodka gef&#228;hrlich ungekl&#228;rter Herkunft war, N&#228;chte, in denen man sich auf einer Wiese um ein Feuer herum traf und die Musik von  Hand machte, N&#228;chte, in denen ein Chopin-Konzert alle verzauberte, bevor der Begriff Open-Air modern wurde, Tage und N&#228;chte, in denen ein Volk seine Zukunft neu erfand, in Sommern, in denen der Winter vergessen schien und in denen niemand mit den F&#252;&#223;en auf den Boden reichte.</p>
<p>Petra van Cronenburg hat dazu ein himmlisch passendes Musikst&#252;ck gefunden und als Video auf dem Blog eingebunden: Elektryczne Gitary: Co ty tutaj robisz (was machst Du da?) &#8230;..</p>

<p style='text-align:left'>&copy; 2010, <a href='http://www.jaeger-dabek.com'>Brigitte Jaeger-Dabek</a>. All rights reserved. </p><div class="seitzeichen" style="margin: 10px 0;"><script type="text/javascript">szu='http%3A%2F%2Fwww.jaeger-dabek.com%2Fblog-tipp-fuer-literaturfans-mit-toller-polen-reminiszenz%2F'; szt='Blog-Tipp+f%C3%BCr+Literaturfans+mit+toller+Polen-Reminiszenz';</script><script type="text/javascript" src="http://w4.seitzeichen.de/w/32/21/widget_3221b02dc9b1b0710c4562b9a083dc56.js"></script></div>

<p>Related posts:<ol><li><a href='http://www.jaeger-dabek.com/kleiner-polen-knigge-so-vermeidet-man-die-peinlichsten-fettnaepfchen-im-polen-urlaub/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Kleiner Polen-Knigge So vermeidet man die peinlichsten Fettn&#228;pfchen im Polen-Urlaub'>Kleiner Polen-Knigge So vermeidet man die peinlichsten Fettn&#228;pfchen im Polen-Urlaub</a> <small>Beim Reisen ins Ausland kann man leicht anecken. Andere Länder,...</small></li>
</ol></p>
<p>Ähnliche Artikel bereitgestellt von <a href='http://mitcho.com/code/yarpp/'>Yet Another Related Posts Plugin</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jaeger-dabek.com/blog-tipp-fuer-literaturfans-mit-toller-polen-reminiszenz/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>In der Dunkelheit-Ein Alzheimerende</title>
		<link>http://www.jaeger-dabek.com/in-der-dunkelheit-ein-alzheimerende/</link>
		<comments>http://www.jaeger-dabek.com/in-der-dunkelheit-ein-alzheimerende/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 29 Apr 2010 17:46:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Brigitte Jaeger-Dabek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimertod]]></category>
		<category><![CDATA[erzählung]]></category>
		<category><![CDATA[geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[sterben]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jaeger-dabek.com/?p=242</guid>
		<description><![CDATA[Wie der eigene Vater zum Fremden wird. Geschichte &#252;ber die lange Reise in die Dunkelheit und das Ende eines Alzheimerkranken.


No related posts.

Ähnliche Artikel bereitgestellt von <a href='http://mitcho.com/code/yarpp/'>Yet Another Related Posts Plugin</a>.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Es ist dunkel im Zimmer, nur eine schwache Leuchtstoffr&#246;hre wirft ein sanftes, erstaunlich  warmes Licht auf das Krankenhausbett. Und still ist es, keine Maschinen ticken, keine &#220;berwachungsger&#228;te piepen im Takt seines Herzens, nichts flimmert, nur sein schwerer Atem, sein R&#246;cheln ist zu h&#246;ren.</p>
<p>Die Nachtschwester kommt regelm&#228;&#223;ig nachschauen, sie streicht mir &#252;ber die Schulter und bringt mir einen Teller mit Keksen und eine Kanne Kaffee.</p>
<p>Wie lange sitze ich hier schon an seinem Sterbebett? Wie viele Abende, wie viele N&#228;chte? Er ist unruhig, hat Phasen, in denen er nicht eine Minute stilliegen kann. Dann folgt wieder eine Panikattacke, in denen seine Augen ruhelos durchs Zimmer eilen, manchmal meinen Blick suchend und einen Moment in ihm ausruhend.</p>
<p>Ein Sekundenbruchteil des Verstehens, Erkennens, dann wieder Abwehr. Seine rechte Hand fingert haltlos &#252;ber die Bettdecke, ist unabl&#228;ssig in Bewegung, die fliegenden Augen weiten sich panisch, die linke Hand klammert sich an meiner fest, unl&#246;sbar wie im Krampf, so dass ich noch Wochen lang kleine Wunden habe. Der ganze K&#246;rper b&#228;umt sich auf, zittert im Krampfanfall.</p>
<p>Die Schwester will es mir nicht so genau sagen, aber ich wei&#223;, dass es nicht nur Austrocknung ist, nein, das sind Entzugserscheinungen, nachdem alle Beruhigungsmittel und Psychopharmaka abgesetzt sind. Cold Turkey nennt man das unter S&#252;chtigen, jetzt wei&#223; ich wie das aussieht, Aber das hier ist kein Junkie, das ist mein Vater.</p>
<p>Ich f&#252;hle mich so schuldig, das geht nun schon seit &#252;ber einer Woche so, wie lange noch, wie lange noch?</p>
<p>Oh Gott verzeih mir, denn ich hab’ mich ja so heroisch gef&#252;hlt dabei, als der Arzt anrief und sagte: Oh gut, dass ich Sie am Telefon habe, damit m&#252;ssen wir dann Ihre Mutter nicht belasten. Ihr Vater hat eine beginnende Lungenentz&#252;ndung, ich w&#252;rde Ihnen vorschlagen nicht mehr weiter zu therapieren, sondern ihn in Frieden sterben zu lassen, es ist ja doch auch kein Leben mehr. Ja habe ich da schlicht gesagt, dann wollen wir ihn ruhig einschlafen lassen, als ob ich Du w&#228;re, Gott.</p>
<p>Aber er schl&#228;ft nicht ein und ruhig schon gar nicht, vierzehn lange Tage, vierzehn dunkle N&#228;chte nicht. Nur in einen unruhigen komagleichen Fieberschlaf f&#228;llt er zwischendurch, dann liegt seine Hand fest, aber ruhig in meiner.</p>
<p>Das Pflegeheim ist auf Abschiede eingerichtet. Alles ist hier erlaubt, wir wechseln uns ab, vierundzwanzig Stunden am Tag, alle sind so warmherzig, verabschieden sich von ihm, dabei war Vater kein bequemer Patient, er war b&#246;se, w&#252;tend, verunsichert und schlug um sich, schlug auch die Schwestern.</p>
<p>Wenigstens das kann ich tun, es aushalten und ihn nicht verlassen, den ich zum jetzt Sterben verurteilte, bei ihm bleiben bis zum Ende. Es war ein langer Abschied, so viele Jahre lebte er schon im Dunkel, kannte uns nicht mehr, war ein v&#246;llig Fremder geworden, der im K&#246;rper meines Vaters lebte.</p>
<p>Stundenlang habe ich Zeit das Leben Revue passieren zu lassen, sein Leben, mein Leben. Wie lange hatte es gedauert, bis man sah, dass er krank war, sehr krank. Zuerst kam das finanzielle Chaos, dann die sichtbaren Aussetzer. Wenn er den &#220;berblick verlor, wurde er b&#246;se, tobte, raste, entwickelte in seiner Panik ungeheure Kr&#228;fte, dann war er nicht zu bremsen. Wenn er auf war, hatte er einen ungeheuren Bewegungsdrang, konnte stundenlang auf- und ablaufen und pl&#246;tzlich leise, leise zur Haust&#252;r hinaushuschen, bei Tag und bei Nacht.</p>
<p>Aber daran m&#252;ssen Sie ihn doch hindern! Immer wieder geh&#246;rt, klug gesagt, aber wie? Schlagen? Ringen? Festbinden? Aufpassen macht m&#252;de, streiten macht m&#252;de, stumpf und so bleiern gel&#228;hmt, manchmal schon fr&#252;hmorgens unf&#228;hig, einen vern&#252;nftigen Gedanken zu fassen.</p>
<p>Immer seltener wurden die Momente, in denen er noch mein Vater war, bald verga&#223; er, wo er war, wer wir waren, verlangte nach seiner Frau, die doch neben ihm sa&#223;. Und so viel Wut, seine Wut, meine Wut, warum diese Krankheit, warum er, was hat er nun schon wieder gemacht? Und keine Hilfe, niemand versteht, niemand will etwas zu tun haben mit dem Wort Alzheimer, der ist ja bekloppt, da guckt man lieber weg.</p>
<p>Am Ende war er fremd in sich selbst, hatte die Bedeutung aller Worte, aller Handlungen verloren. Wie lebt man in dieser Begriffslosigkeit, st&#228;ndig erschreckt, weil man nichts von dem versteht, was um einen herum vorgeht, nichts mehr in Worte fassen kann, die Worte v&#246;llig verlor? Lebte er in einer eigenen Welt, einem Autisten gleich, was ging in ihm vor?</p>
<p>Vierzehn N&#228;chte sterben sind lang, da kann man viel erinnern zwischen den immer h&#228;ufigeren immer heftigeren Panikattacken, die schlimmen letzten f&#252;nf Jahre, aber auch all das Sch&#246;ne, Deine Liebe, Deine Gro&#223;z&#252;gigkeit, Deine Hilfe und F&#252;rsorge.</p>
<p>Ach wenn ich Dir doch Deine Angst nehmen k&#246;nnte. Auch mir w&#252;rde es dann besser gehen, verzeih mir, was ich Dir wann auch immer antat, verzeih meine h&#228;ufige Ungeduld, meine Wut, meinen Schmerz. Verzeih, dass ich Dich hierher brachte, als Du Mutter w&#252;rgtest, verzeih meine Hilflosigkeit, Ersch&#246;pfung und Angst, meine Angst vor dem D&#228;mon in Dir.</p>
<p>An seinem letzten Tag dann pl&#246;tzlich ein Zeichen, ein Erkennen, ich wei&#223; nicht ob er wei&#223;, wer ich bin, aber er erkennt, dass ich zu ihm geh&#246;re. Und dann signalisiert er etwas. Einem Wunder gleich, kommt ein St&#252;ck Vater aus dem Dunkel zur&#252;ck. Er kann nicht mehr reden, aber er zeigt mir mit inst&#228;ndig flehendem Blick aus den sonst so leeren Augen, was er will. Er zeigt auf seinen rechten Ringfinger, gestikuliert bis er begreift, dass ich verstanden habe, er m&#246;chte, dass meine Mutter seinen Ehering nimmt und beh&#228;lt.</p>
<p>Es war der letzte Kontakt aus dem Dunkel heraus, und er wusste auf seine Art, dass er starb. Und dann ging er doch ganz leise, h&#246;rte einfach auf zu leben und ich war da bei seinem letzten Atemzug und am Ende war da nur noch Liebe.</p>

<p style='text-align:left'>&copy; 2010, <a href='http://www.jaeger-dabek.com'>Brigitte Jaeger-Dabek</a>. All rights reserved. </p><div class="seitzeichen" style="margin: 10px 0;"><script type="text/javascript">szu='http%3A%2F%2Fwww.jaeger-dabek.com%2Fin-der-dunkelheit-ein-alzheimerende%2F'; szt='In+der+Dunkelheit-Ein+Alzheimerende';</script><script type="text/javascript" src="http://w4.seitzeichen.de/w/32/21/widget_3221b02dc9b1b0710c4562b9a083dc56.js"></script></div>

<p>No related posts.</p>
<p>Ähnliche Artikel bereitgestellt von <a href='http://mitcho.com/code/yarpp/'>Yet Another Related Posts Plugin</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jaeger-dabek.com/in-der-dunkelheit-ein-alzheimerende/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Heimat oder was?</title>
		<link>http://www.jaeger-dabek.com/heimat-oder-was/</link>
		<comments>http://www.jaeger-dabek.com/heimat-oder-was/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 21 Apr 2010 12:46:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Brigitte Jaeger-Dabek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[erzählung]]></category>
		<category><![CDATA[flüchtling]]></category>
		<category><![CDATA[geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[heimat]]></category>
		<category><![CDATA[identität]]></category>
		<category><![CDATA[msuren]]></category>
		<category><![CDATA[ostpreußen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jaeger-dabek.com/?p=236</guid>
		<description><![CDATA[Eine komplizierte Frage ist dieses Thema „Sind wir Nachgeborenen, wir im Exil unserer Eltern geborenen Nachkriegskinder noch Masurens Kinder?“ Sie ber&#252;hrt die Frage nach der eigenen Identit&#228;t, dieser manchmal schwierigen eigenen Identit&#228;tsfindung.
Wir also sind die Nachgeborenen, keine Eingeborenen, auch keine dort Geborenen. Wir sind hineingeboren in ein Dasein zwischen Baum und Borke. Ist sie wirklich [...]


Related posts:<ol><li><a href='http://www.jaeger-dabek.com/leben-in-der-fremde/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Leben in der Fremde'>Leben in der Fremde</a> <small>Tagelang war Johanna Dresp ruhelos durch ihre ziemlich zerstörte Stadt...</small></li>
</ol>

Ähnliche Artikel bereitgestellt von <a href='http://mitcho.com/code/yarpp/'>Yet Another Related Posts Plugin</a>.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Eine komplizierte Frage ist dieses Thema „Sind wir Nachgeborenen, wir im Exil unserer Eltern geborenen Nachkriegskinder noch Masurens Kinder?“ Sie ber&#252;hrt die Frage nach der eigenen Identit&#228;t, dieser manchmal schwierigen eigenen Identit&#228;tsfindung.</p>
<p>Wir also sind die Nachgeborenen, keine Eingeborenen, auch keine dort Geborenen. Wir sind hineingeboren in ein Dasein zwischen Baum und Borke. Ist sie wirklich eine Gnade, diese sp&#228;te Geburt? Die Gnade nicht nur die deutsche Schuld sondern auch das Trauma nicht selbst erlebt zu haben?</p>
<p>Wir sind nach etwas geboren, nach dem gro&#223;en Schnitt, nach dem gro&#223;en Trauma, nach dem gro&#223;en Verdr&#228;ngen. Nachgeboren – nach einem harten Schnitt begann mit uns ein neuer Film, als ob es nie ein vorher gegeben h&#228;tte.</p>
<p>H&#228;tten sie es Heimat genannt, w&#228;re f&#252;r mich als Kind vieles leichter gewesen. Aber dieses Wort benutzten sie nie, sie sagten immer zu Hause, wenn sie Ostpreu&#223;en meinten.<br />
Zumindest der Vorhof zum Paradies muss dieses Zuhause gewe¬sen sein. Als ich noch im Vorschulalter war, zogen meine El¬tern, die Gro&#223;eltern v&#228;terlicherseits und ich in unser neues Haus. Wir wohnten nun in einem ganz neuen Stadtviertel, in dem ein Ei¬genheim nach dem anderen entstand. Die meisten Bewohner dieser Stra&#223;e am Rande der st&#228;dtischen Zivilisation waren Fl&#252;chtlinge. Die Randlage, in der jegliche Infrastruktur &#252;berhaupt erst am Entstehen war, dieser verschwommene &#220;bergang in die Wildnis der noch unbebauten Areale machte diese Stra&#223;e f&#252;r uns Kinder zu einem ganz eigenen Paradies, in dem wir unsere Kindheitstr&#228;ume lebten. Wir spielten nicht Wilder Westen, hier war die Wildnis.</p>
<p>Und hier waren wir alle gleich, wir Kinder der ersten Nachkriegsgeneration, hier waren wir keine Rucksackdeutschen, kein Polackenpack, keine Habenichtse aus Deutsch-Sibirien. Hier war vieles anders und wir waren Cowboys und Indianer, Seer&#228;uber und wir waren Seefahrer und Entdecker, spielten Fu&#223;ball und Eishockey, kletterten auf B&#228;ume, egal ob wir M&#228;dchen waren oder Jungen.</p>
<p>Auch allen Erwachsenen war gemein, dass sie hier fremd waren, sich die neue Umgebung erst einmal erobern und zu eigen machen mussten. Ein wenig Pioniergeist wehte durch die staubige, noch etliche Jahre nicht geteerte Stra&#223;e. „Kibbuz“ nannten die Alteingesessenen unsere Gegend ob der gemeinsam angeschafften Gartenger&#228;te und der Solidarit&#228;t einer engen Gemeinschaft, die hier entstand. Ein wenig war es, als ob sie sich eine neue Heimat schaffen w&#252;rden, mit einer neuen Gemeinschaft die so fest gef&#252;gt und verl&#228;sslich war, wie so etwas sonst nur in gewachsenen d&#246;rflichen Strukturen zu finden war.</p>
<p>Den alteingesessenen Einheimischen war das Treiben in unserer Stra&#223;e ziemlich suspekt – mein Gott, die verstehen sich ja sogar mit dem Kommunisten in der Baracke dort droben! Es war eine Art Gegengesellschaft entstanden, in der die Einheimischen deutlich in der Minderzahl war, &#220;berfremdungs&#228;ngste waren da, Neid auf die H&#228;uslebauer, man f&#252;hlte sich unterschwellig ganz leise in der eigenen Lebensart bedroht.</p>
<p>Bald wurde unsere Ge¬gend auch mit einer evangelischen Kirche bedacht, eine ganz neue, damals junge und aktive Gemeinde entstand. Ich ging gern zum Kindergottesdienst, beide Pastoren waren in jener Zeit noch absolute Respektspersonen, aber der eine, ein junger Baltendeutscher hatte einen so anheimelnden Tonfall und brauchte niemals laut zu werden, da er es verstand, uns zu fes¬seln. Der zweite, unser Hauptpastor, war im Grunde ein stock¬kon-servativer, sogar recht strenger Mann, der aber auf unnachahmliche Weise rotbackig strahlend seine eigene Freude und Begeisterung zu vermitteln wusste. So wie ihn stellte ich mir Luther vor, in seiner ganzen Art h&#228;tte er dessen Nachfahre sein k&#246;nnen.<br />
Dort hatte ich also meine erste Begegnung mit der Religion, h&#246;rte vom Paradies und davon, dass die Errichtung des Reiches Gottes das Paradies auf Erden w&#228;re. Dieses Paradies auf Erden musste in Ostpreu&#223;en liegen, jedenfalls legte ich mir das nach den verkl&#228;rten Erz&#228;hlungen und Schw&#228;r¬mereien meiner Familie so zurecht. In meiner kindlichen Gedankenwelt hatte das Hiersein, das Leben im Stader Exil irgendwie mit der Vertreibung aus dem Paradies zu tun.</p>
<p>Ich nahm das ganz w&#246;rtlich, blo&#223; die Sache mit dem Apfel konnte ich in der Geschichte nicht unterbringen Entweder hatte Gott da etwas verwechselt, oder der Pfarrer, aber ich traute mich nicht so recht, das zu hinterfragen.</p>
<p>Sp&#228;ter begriff ich dann,  dass ich da beim Kombinieren zu voreilig gewesen war. Noch sp&#228;ter lernte ich, Abstraktes zu erfassen, wusste, dass die Vertreibung aus dem Paradies bestenfalls als Allegorie f&#252;r den Verlust der Heimat taugte und das Paradies geographisch nicht zu lokalisieren ist, noch nicht einmal auf Ostpreu&#223;en. Am Ende dieses Prozesses konnte ich mir dann auch die Geschichte mit dem Apfel besser erkl&#228;ren &#8211; die Deutschen hatten ihre Unschuld verloren.</p>
<p>Die Ungereimtheiten in der Begriffswelt meiner Angeh&#246;rigen besch&#228;ftigten mich. Wieso sagten die blo&#223; immer zu Hause, wenn sie Ostpreu&#223;en meinten? Waren wir denn nicht in Stade zu Hause? Wir hatten doch hier unser Haus, wieso hatten sie das dann &#252;berhaupt gebaut? Oder konnte ein Mensch mehrere Zuhause haben?</p>
<p>Das verunsicherte mich, das machte mich w&#252;tend, weil mich alles br&#252;ten nicht weiter brachte. Manchmal knurrte ich trotzig „wir wohnen doch hier, also sind wir hier auch zu Hause.“ Dann be¬trachteten sie mich als Trotzk&#246;pfchen und l&#228;chelten wissend mit diesem ziehenden, melancholischen Unterton, diesem Hauch von Trauer t&#228;tschelten sie mich und sagten: „das verstehst du nicht.“ Zack! Das war&#8217;s dann wieder und machte mich meist eher noch w&#252;tender. Klar, ich kannte dieses Zuhause ja nicht, konnte vor allem damals als kleines Kind nicht ermessen, was sie verloren hatten. Wahrscheinlich w&#252;rde ich dieses alte Zuhause auch nie kennen lernen. Ich f&#252;hlte mich dann ungerecht behandelt, vor allem aber ausgeschlossen von einem zentralen Bereich des Lebens meiner Familie. Als Einzige war ich hier geboren und betrachtete das als einen Makel. War ich nicht gut genug gewesen, in diesem Paradies geboren zu sein? War ich ein solch b&#246;ses Kind, dass ich nicht im Familienparadies aufwachsen durfte? Wie eine Au&#223;enseiterin f&#252;hlte ich mich dann, eine Einzelg&#228;ngerin – Einzelg&#228;nger, Individualist blieb ich &#252;brigens im sp&#228;teren Leben.</p>
<p>Konnte bei uns nicht einmal etwas so sein, wie bei meinen Spiel- oder Schulkameraden? Bei anderen hie&#223; es vielleicht, meine Gro&#223;eltern kommen aus Harsefeld oder Bremerv&#246;rde. Meine reisten zwar auch aus Bremerv&#246;rde an, aber sie kamen aus Insterburg &#8211; Deutsch Sibirien. Nebenbei bemerkt hatte ich viel sp&#228;ter das Gef&#252;hl, manche meiner Angeh&#246;rigen w&#228;ren nie ganz hier ange¬kom¬men. Sie blieben etwas fremd, blieben auf Dauer im Exil und haben sich nie ganz auf die neuen Lebensumst&#228;nde und das neue Land eingelassen, von dem sie selbst ja auch abgelehnt wurden. Es belief sich also auf Gegenseitigkeit. Dabei tr&#228;umten sie nie von einer R&#252;ckkehr, nur von dem verlorenen Paradies ihrer eigenen Jugend.</p>
<p>Meine Eltern hatten sich nach dem Krieg kennen gelernt und gingen nach ihrer Heirat z&#252;gig daran, eine eigene Existenz aufzu¬bauen, machten sich selbst&#228;ndig und bauten dann Anfang der F&#252;nfziger Jahre. Sie standen also in ihrem Alltag mit beiden Beinen im Leben und schienen sich durchaus auf Dauer einzurich¬ten, redeten nie von R&#252;ckkehr. Rational war ihnen bewusst, dass es kein zur&#252;ck mehr geben w&#252;rde, aber diese f&#252;r mich imagin&#228;ren, nur noch in ihren K&#246;pfen existierenden Erinnerungen, diese geistige Gegenwelt lie&#223; mir in meinen Kinderjahren unser Dasein in Stade irgend¬wie provisorisch erscheinen. Besonders in der Gro&#223;elterngene-ration erlebte ich so die Vergangenheit als etwas nebul&#246;s verkl&#228;rtes mit schrecklichem Ende, die Gegenwart als etwas ungeliebtes nie ganz akzeptiertes und die Zukunft als etwas, woran sowieso niemand danken mochte. Nichts w&#252;rde je an die Vergangenheit heranreichen und manchmal war ich mir nicht einmal ganz sicher ob es wenigstens ein heute f&#252;r sie gab.</p>
<p>Besonders in meinen fr&#252;hen Kinderjahren mit dem noch gerigen zeitlichen Abstand war der Krieg mit dieser f&#252;r sie finalen Katastrophe das bestimmende Ereignis im Leben meiner ganzen Fami¬lie.</p>
<p>Dieses traumatische Kernerlebnis war  in den mich pr&#228;genden Jahren immer pr&#228;sent. Mit zunehmendem zeitlichem Abstand &#228;nderten sich die Gewichtungen dann etwas, viele neue Eindr&#252;cke kamen dazu. Das Aufbauen, der Neuanfang brauchte eigentlich die ganze Kraft, an der diese r&#252;ckw&#228;rtsgewandte Trauer aber immer noch zehrte. Gab es &#252;berhaupt irgendetwas anderes als diese zwei Dinge Flucht und Aufbau in dieser Zeit? Nat&#252;rlich wurde auch gefeiert, gab es &#252;beraus frohe Stunden, vor allem bei Familienfeste. Da wurde gelacht bis die Tr&#228;nen kamen, aber immer war da dieses &#8216;wei&#223;t du noch?&#8217;, jede Menge Anekdoten, Geschichten aus einem fernen Land. Aber &#252;ber allem lag immer ein Hauch von Melancholie, war die Wehmut &#252;ber die Endg&#252;ltigkeit dieses &#8216;es war einmal&#8217; allgegenw&#228;rtig. Nat&#252;rlich konnte ich das damals noch nicht ausdr&#252;cken, aber ich sp&#252;rte es.</p>
<p>Endg&#252;ltig war dieser Verlust und total, da war nicht nur die geographische Heimat verloren, eine ganze Lebenswelt war unterge¬gangen. Diese Katastrophe der Flucht ohne Wiederkehr war et¬was fundamental anderes als die Flucht meiner Gro&#223;m&#252;tter im 1. Weltkrieg, die in ihren Erz&#228;hlungen eher einem Jungm&#228;dchenabenteuer glich. Die Flucht von 1914 fand ein gutes Ende in der R&#252;ckkehr, die von 1945 wurde zum alles beherrschenden Erlebnis, zum Lebenstrauma vor allem der Frauen.</p>
<p>Wie tief dieses Trauma sa&#223;, zeigt sich auch daran, dass ich mich noch deutlich an zwei politische Krisen erinnere &#8211; die Kubakrise und den Berliner Mauerbau &#8211; obwohl ich damals gerade mal  zehn Jahre alt war. Ich verstand nicht ganz genau worum es dabei ging, aber ich sp&#252;rte deutlich die angespannte Stimmung. Ernst wurden alle Nachrichtensendungen verfolgt, es ging sehr gedr&#252;ckt zu und m&#246;gliche Folgen wurden besprochen, auch mit den Gro&#223;eltern. Und dann wurden Vorbereitungen f&#252;r den Kriegsfall getroffen, die Zivilschutzbrosch&#252;re studiert, Vorr&#228;te wurden gesichtet und zugekauft. Ich wurde mit meiner Gro&#223;¬mutter abgestellt im Eisen¬warengesch&#228;ft, das am anderen Ende der Stadt lag, eine Spitzhacke k&#228;uflich zu erwerben. Die Angst legte sich wie ein Reif um die Brust bis die erl&#246;sende Entwarnung kam.</p>
<p>Der Bau der Mauer brachte ein Teil Fassungslosigkeit dazu, es war Sonntag, alle waren daheim, das Radio lief durchgehend, was es sonst bei uns nie tat und meine geliebte sonnt&#228;gliche Kinder¬stunde fiel aus, die ich sonst immer gemeinsam mit den Nachbarskindern gespannt verfolgte.</p>
<p>Sp&#228;ter verstand ich, warum sie alle den Kopf sch&#252;ttelten und es nicht fassen konnten. Ihre Heimat, noch weiter &#246;stlich, war gerade endg&#252;ltig hinter einem Eisernen Vorhang aus Minenfel¬dern, Stacheldraht und meterhohen Mauern verschwunden. Zwischen Heimat und Bundesrepublik lag nun mit der eingemauerten DDR ein schier un&#252;berwindliches Hindernis. Erst als diese Mauer fiel, sollte auch das alte Ostpreu&#223;en wieder aus der Vergessenheit auftauchen und zug&#228;nglich werden.</p>
<p>So wuchs ich auf in dem Bewusstsein, dass einem jederzeit alles genommen werden konnte und es war mir auch durchaus klar, dass meine Familie anders war, als die der hiesigen Schulkameraden, da musste keiner erst Fl&#252;chtlingspack oder Rucksackdeutscher schreien, was &#252;brigens w&#228;hrend meiner Kindheit sehr wohl noch vorkam.</p>
<p>Auch sp&#228;ter hatte ich lange das Gef&#252;hl in dieser etwas steifen, hanseatisch gepr&#228;gten norddeutschen Kleinstadt nie wirklich ganz dazu zu geh&#246;ren, obwohl ich hier geboren war. &#8216;Bevor du nicht mindestens zwei, drei Generationen auf dem Friedhof zu liegen hast, geh&#246;rst du nicht ganz zu uns, hei&#223;t es bei uns im Norden, &#8216;da kann einer zehnmal hier geboren sein, Hiesiger ist der noch lange nicht.&#8217;</p>
<p>Irgendwie st&#246;rte mich das damals nicht mehr so sehr, es war die Phase der Studentenrevolte, ich hatte inzwischen den Mai 1968 in Paris als Austauschsch&#252;ler erlebt. Wir alle wuchsen nun aus unseren Elternh&#228;usern hinaus, &#228;u&#223;ere Einfl&#252;sse begannen wichtig zu werden. Solche &#196;u&#223;erungen stammten f&#252;r uns aus einer Welt der verkn&#246;cherten Spie&#223;ern, waren bourgeois.</p>
<p>Ich will beileibe nicht behaupten, in meiner Kindheit unter dem Fl&#252;chtlingsdasein meiner Familie gelitten zu haben, aber einige Erinnerungen, auch an versteckte kleine Bosheiten blieben doch. Und es blieb auch &#252;ber die sp&#228;tere Jugendzeit hinweg, in der andere Einfl&#252;sse und neue, eigene Erfahrungen viel wichtiger wurden ein manchmal mit etwas Stolz getragenes Gef&#252;hl der Andersartigkeit.</p>
<p>Aber erst als reifere Erwachsene wollte ich diese Andersartigkeit auch selbst ergr&#252;nden. Lag sie nur am Familientrauma der Flucht oder wom&#246;glich an andersartigen Menschen die aus einer anderen Welt kamen?</p>
<p>Als ich 1976 zum ersten Mal nach Ostpreu&#223;en reiste, war ich vierundzwanzig Jahre alt und ziemlich weit entfernt von den Gedanken und Empfindungen der Kindheit. Andere Dinge waren wichtiger geworden und hatten Ostpreu&#223;en verdr&#228;ngt. Die Einfl&#252;sse von au&#223;erhalb der Familie waren gr&#246;&#223;er geworden, eigene Erfahrungen kamen dazu. Der Horizont wurde gr&#246;&#223;er, als Sp&#228;tachtundsechzigerin war ich stark gepr&#228;gt gewesen vom politischen Interesse, bezog Stellung zu allem und jedem. Langsam wurde ich erwachsen, die Meinungen waren nicht mehr so radikal, Anpassung, die man ja eigentlich nie wollte, begann ganz schleichend, man suchte seinen Platz im Leben zu finden.</p>
<p>Die Distanz zwischen den vielen Geschichten meiner Kinderzeit und meinem Leben als junger  Erwachsener konnte gr&#246;&#223;er nicht sein als gerade zu dieser Zeit. Ich hielt sie f&#252;r bedeutungslos, sie hatten keinerlei wirklichen Bezug zu meinem eigenen Leben, die Welt hatte sich in immer schnellerem Tempo von ihnen weg bewegt. Trotzdem, bei jedem Familienfest kamen immer noch die unvermeidlichen zu Hause-Geschichten aus Tapet.<br />
W&#228;hrend der Pubert&#228;t, in der einen ja bekanntlich sowieso alles nervt, war ich in meinem hilflosen Gef&#252;hl der Ausgeschlossenheit manchmal drastisch geworden. Mittlerweile ging ich diesen Komplex mit ironischer bis sarkastischer Distanziertheit an, ich kommentierte dann etwa wie &#8216;ich wei&#223;, vor drei&#223;ig Jahren in Ostpreu&#223;en hat das Brot &#8216;nen Groschen gekostet und alles war besser&#8217;, Ostpreu&#223;en nannte ich jetzt oft Kalte Heimat.</p>
<p>Als mein Vater mir von seinen Reisepl&#228;nen erz&#228;hlte, war ich trotzdem gleich Feuer und Flamme. Nat&#252;rlich wollte ich mitfahren, wir w&#252;rden doch die Buchung f&#252;r meine Mutter nicht verfallen lassen, die lieber bei ihrem todkranken Vater bleiben wollte.</p>
<p>Wenn ich mich heute frage, warum ich meinen Vater damals unbedingt  begleiten wollte, war das sicher ein ganzes Gemenge von Beweggr&#252;nden. Von einiger Bedeutung war sicher eine gewisse Abenteuerlust, die mir durchaus geblieben ist. Go east, bis dato eines der letzten Abenteuer Europas, nur dass es heute viel weiter geht als nur bis Polen. In den 70er Jahren war Polen jedenfalls Richtung Osten f&#252;r den PKW-Individualtouristen das maximal m&#246;gliche Ziel. Es herrschte Kalter Krieg und ich war noch nie in einem Ostblockland gewesen.<br />
&#214;stlich der Elbe war die Landkarte f&#252;r mich was Reisem&#246;glichkeiten betraf ein einziger wei&#223;er Fleck, weiter entfernt als der S&#252;dpol, weil noch unerreichbarer. Nun sollte ich diese terra in¬co-gnita f&#252;r mich entdecken! Gewiss war da auch Neugier auf das &#8216;Land der V&#228;ter&#8217;, das meine Kindheit so beherrscht hatte, so fern war und doch so vertraut.</p>
<p>Bilder hatten sie in mir mit all ihren Erz&#228;hlungen entstehen lassen, jetzt wollte ich nat&#252;rlich &#252;berpr&#252;fen, ob sie der Wirklichkeit standhielten. Skeptisch war ich diesbez&#252;glich schon und durchaus gew&#228;rtig, dass manches sch&#246;ngeredet, ja glorifiziert worden war.</p>
<p>Sch&#246;ne Landschaften gab es schlie&#223;lich auch anderswo auf Erden. Und vor allem wollte ich mich in meinem Urteil keineswegs von etwaiger R&#252;hrung meines Vaters oder irgendwelchen sonsti¬gen Emotionen beeinflussen lassen. N&#252;chtern wollte ich mir dieses Gelobte Land ansehen, m&#246;glichst objektiv beobachten und Distanz waren, wenn nicht anders, dann meine bew&#228;hrte ironsche Distanziertheit vorschieben, bevor ich mich in sentimentalen Gef&#252;hlen verlor. Anschlie&#223;end w&#252;rde ich das Ganze dann auf einer Art Skala einordnen um es mit anderen bereits gesehenen Gegenden vergleichen zu k&#246;nnen. Ich war durchaus bereit, diese Skala nach unten hin weit offen zu halten, war bereit auch zu bei&#223;ender Kritik. Ehrlich gesagt hielt ich die meisten Schilderungen sowieso l&#228;ngst f&#252;r &#252;bertrieben, und &#252;berhaupt war ich mit meinen vierundzwanzig Jahren schlie&#223;lich abgekl&#228;rt, welterfahren, ja fast kosmopolitisch zu nennen.</p>
<p>Nun ging es endlich los, wir fuhren mit der F&#228;hre bis Danzig, die DDR wollten wir uns nicht antun. Die Stimmung auf dem Schiff &#228;nderte sich, je n&#228;her wir Danzig kamen. Eine Spannung lag &#252;ber dem Deck, eine bebende Erwartung, seit mit der Halbinsel Hela Land in Sicht kam. Immer mehr Passagiere dr&#228;ngten sich an der der K&#252;ste zugewandten Reling.<br />
Fast alle fuhren ja aus dem selben Grund nach Danzig, so war man dann auch am Vorabend leicht ins Gespr&#228;ch gekommen. Etliche Mitreisende sahen angestrengt aus, viele hatten nicht geschlafen, so aufgew&#252;hlt waren sie. Die meisten kamen zum ersten Mal nach Kriegsende in die Heimat zur&#252;ck. Als das Schiff in die Danziger Bucht einl&#228;uft, der Hafen von Hela an Steuerbord liegt und an der K&#252;ste voraus Einzelheiten erkennbar werden, kommt die erste Ersch&#252;tterung bei denjenigen hoch, die dort zu Hause waren und auch bei denen, die ihre Heimat per Schiff verlassen hatten.</p>
<p>Noch einmal kommt Bewegung ins Schiff, als die F&#228;hre querab von der Westerplatte drehen mu&#223;, damit sp&#228;ter die Autos vor¬w&#228;rts von Bord rollen k&#246;nnen. Die Lautsprecher dr&#246;hnen, es wird angesagt, wie die Zollformalit&#228;ten und das Ausborden vonstatten gehen werden. Besonders eindringlich und laut wird verk&#252;ndet, was man alles nicht fotografieren darf, vor allem nicht den Marinehafen Westerplatte, was aber niemanden abh&#228;lt. Schnell noch ein Foto, dann ab auf die andere Schiffsseite, wo jetzt alle dichtgedr&#228;ngt beim Einlaufen nach Neufahrwasser stehen. Wer dies m&#246;chte, wird in stummem Einverst&#228;ndnis in die vorderste Reihe an die Reling gelassen, keine Dr&#228;ngelei, kein Geschubse, man wu&#223;te ja aus den Gespr&#228;chen vom Vorabend, da&#223; einige von Angeh&#246;rigen abgeholt werden w&#252;rden, die sie seit der Flucht nicht mehr gesehen hatten. An Land vor dem eingez&#228;unten Zollhafen, direkt am Uferzaun winkende Menschen in Zweierreihe, an Bord Aufschreie des Erkennens, Gr&#252;&#223;e, tr&#228;nen&#252;berstr&#246;mte Gesichter, rudernde Arme, die T&#252;cher schwenken.</p>
<p>Als das Schiff festmacht und alles zu den Autos oder den Gangways f&#252;r die Fu&#223;g&#228;nger eilt, sehe ich im Vor&#252;bergehen noch einmal die &#228;ltere Dame, mit der wir uns am Vorabend unterhalten hatten. Nicht anheben kann sie ihren Koffer, nur auf dem Boden schieben, er ist voller Konserven f&#252;r die Ihren, die sie seit Kriegsende nicht gesehen hat. Den ganzen Abend kreisten ihre Gedanken darum, ob sie sie &#252;berhaupt wiedererkennen w&#252;rde, die Schwester und die Tochter mit dem Mann, ihrem Schwiegersohn und den beiden Enkeln, die sie alle drei gar nicht kannte. Sie winkt uns fast triumphierend zum Abschied, ein L&#228;cheln aus einer anderen Welt trifft mich, vollkommen entr&#252;ckt, noch von Tr&#228;nen verschleiert, aber unendlich gl&#252;cklich, am Ziel allen Sehnens.</p>
<p>So oft ich vor der Wende mit der F&#228;hre nach Polen fuhr, war das An- und Ablegen in Danzig immer mit einer ganz besonderen Stimmung belegt. Das Anlegen als Wiedersehen mit diesem nicht freiwillig verlassenen Land, mit geliebten, vermissten Menschen, das Ablegen zu Zeiten des Kalten Krieges barg immer die Ungewissheit, ob es ein n&#228;chstes Mal geben w&#252;rde.<br />
Dieses f&#252;r mich erste Mal hat mich ganz besonders ber&#252;hrt, hat mich bewegt, wie selten irgendetwas. Jetzt begann ich erst ganz langsam die ganze gef&#252;hlsm&#228;&#223;ige Ebene und Bedeutung dieses Heimatverlustes zu begreifen, das emotionale Leid, das er verursacht hatte und auch noch &#252;ber drei&#223;ig Jahren noch immer verursachte, verstand dass er auch zusammengesetzt war aus einer Vielzahl an menschlichen und zwischenmenschlichen Trag&#246;dien.</p>
<p>&#196;hnlich bewegend, wenn auch auf ganz andere Art war nur das Ablegen im Sp&#228;tsommer 1980. Es war schon bekannt gemacht worden, dass es die vorl&#228;ufig letzte F&#228;hre sein w&#252;rde, die nach Westen ging. Wir waren auf dem Weg zum Hafen an der streikenden Leninwerft vorbeigekommen. Die Angst war f&#246;rmlich greifbar, die Bitte um Unterst&#252;tzung, dieses was wird aus uns? Vergesst uns nicht! Diesmal hatten auch wir Angeh&#246;rige am Zaun stehen und winkten und winkten. Von da an bin ich nie wieder mit der F&#228;hre nach Polen gefahren, nur noch auf dem Landweg durch die DDR mit Zwischenstopp in Berlin &#8211; bei den beiden Menschen, die uns vorher viele Male zum Abschied in Danzig gewinkt hatten – sie waren nach Deutschland geflohen.</p>
<p>Nach gut dreist&#252;ndiger Wartezeit hatten wir bei dieser ersten Reise die Prozedur der Zollabfertigung komplikationslos hinter uns gebracht. Als wir uns Richtung Danzig-Langfuhr in Bewegung setzten, kam es mir vor, als ob das Abenteuer jetzt erst so richtig begann. Die ersten Kilometer fuhren wir noch sehr vorsichtig, wir waren schlie&#223;lich im Ostblock und wollten uns nicht gleich &#196;rger durch eine Geschwindigkeits&#252;bertretung einhandeln. Wir rollten durch Neufahrwasser, ein Arbeiterviertel grau in grau, die Enge des heruntergekommenen Arbeiterviertels blieb bald hinter uns, Langfuhr war erreicht.<br />
Weiter fahren wir am Bahnhof vorbei im weiten Linksbogen um die Altstadt herum. Durch pulsierenden Feierabendverkehr verlassen wir Danzig auf jetzt guter, breiter Stra&#223;e. Industrieviertel werden langsam vom satten gr&#252;n der Weichselniederung abge¬l&#246;st. Wir passieren lang gestreckte D&#246;rfer und sehen hier und da noch die f&#252;r diese Gegend typischen h&#246;lzernen Vorlaubenh&#228;user. Jedes bewohnte Storchennest wird noch begeistert begr&#252;&#223;t. Zwar komme ich aus der norddeutschen Tiefebene, aber St&#246;rche sind bei uns zur Rarit&#228;t geworden.</p>
<p>Bis nach Elbing hin bleibt das Land bretteben, &#228;hnlich wie die mir vertraute norddeutsche Marschlandschaft. Aber viel weitl&#228;ufiger erscheint sie mir doch, d&#252;nner besiedelt und urw&#252;chsiger, trotz teilweise industriell betriebener Kolchos-Landwirtschaft. Hinter Elbing geht die Ebene bald in sanfte Mor&#228;nenh&#252;gel &#252;ber. Wir diskutieren, ob wir Elbing nun zu Ost- oder Westpreu&#223;en rechnen wollen und einigen uns dann bei Preu&#223;isch Holland, heute Paslek darauf, nun schon allein ob des oberl&#228;ndischen Landschaftsbildes endg&#252;ltig in Ostpreu&#223;en zu sein.</p>
<p>Die Frage, ob ganz Ostpreu&#223;en so h&#252;gelig w&#228;re, bejaht mein Vater zumindest f&#252;r den uns jetzt zug&#228;nglichen polnischen Teil, also das Oberland, Ermland und Masuren. Er sieht mich etwas erstaunt an und fragt halb belustigt, halb pikiert, ob ich denn wohl glaube, es w&#228;re &#252;berall n&#246;rdlich der Alpen &#228;hnlich &#8216;plattdeutsch&#8217; wie bei Stade. Da mu&#223; ich also schon mein erstes Bild revidieren, denn irgendwie hatte ich die Vorstellung, ostpreu&#223;ische Weite mit durchgehend flachem Gel&#228;nde kombinieren zu m&#252;ssen, mit diesem &#8216;mittwochs schon sehen k&#246;nnen, da&#223; Tante Frieda am Sonntag zum Kaffee kommt&#8217; der norddeutschen Tiefebene.<br />
Das Erstaunen legte sich, die liebliche, rundliche Landschaft fing an, mir zu gefallen, abwechslungsreich war sie, mit saftig dunkelgr&#252;nen Wiesen, hellen Roggen- und gelbblonden Weizenfeldern, ausgedehnten W&#228;ldern und den ersten Seen. es war Hochsommer, kurz vor der Getreideernte, die zweite Heumahd war im Gange. Landwirtschaft der Gegens&#228;tze, hier agrarindustrielle Bearbeitung von Staatsg&#252;tern, daneben Kleinbauern mit Pferd und Wagen, fast archaisch anmutend.</p>
<p>Wir wollten eine Rast machen und halten auf einem zum Parkplatz umfunktionierten alten Kurvenst&#252;ck der Stra&#223;e, einer wundersch&#246;nen, von m&#228;chtigen alten B&#228;umen ges&#228;umten Allee. Da ist es nicht schwer ein schattiges Pl&#228;tzchen f&#252;r den Wagen zu fin¬den.<br />
Wir stiegen aus und vertraten uns die F&#252;&#223;e. Man k&#246;nnte dabei ja auch gleich ein paar Landschaftsaufnahmen machen dachte ich bei mir und holte die Kamera. Es kam weit und breit kein Auto und ich sp&#252;rte zum ersten Mal die Ruhe, die &#252;ber dem Land lag. Ein St&#252;ck weiter hinter der Stra&#223;enbiegung wiegte sich weizen.</p>
<p>blondes Getreide im stetigen lauen Sommerwind. Da sah ich sie zum ersten Mal am Feldrand. knallblaue Kornblumen und Klatschmohninseln von einem schier unglaublich leuchtenden Rot.<br />
Auf der anderen Stra&#223;enseite, direkt gegen&#252;ber lag eine frisch gem&#228;hte Wiese, auf der mit feierlichem Ernst schreitend zwei St&#246;rche Mahlzeit hielten und sich von nichts und niemandem st&#246;ren lie&#223;en. Ein St&#252;ck weiter wurde Heu eingefahren, ein hochbelade¬ner , von zwei Pferden gezogener Wagen bog gerade auf einen von der Hauptstra&#223;e in weitem Bogen leicht bergab nach rechts f&#252;hrenden Feldweg ein. Ich ging den Weg entlang, der von der Trockenheit der flirrenden Sommerhitze ganz staubig war. An seinen R&#228;ndern jedoch gedieh eine nie gesehene Farbenpracht aus der vielstimmiges Gezirpe und Gesumme sprudelte.</p>
<p>Expedition Kalte Heimat hatte ich das Unternehmen ironischdistanziert genannt, aber das war&#8217;s dann auch schon. Dieser eine, erste kleine Spaziergang gen&#252;gte und ich war hin und weg. Ich konnte mich kaum satt sehen an den klaren Farben, an der weit bis nach Osterode am Horizont offen daliegenden Landschaft, h&#252;gelig, rundlich, beschaulich. Eine Sommerlandschaft, fast unwirklich friedlich und still, einladend zum Innehalten und Tr&#228;umen, ohne Ecken und Kanten, anheimelnd gem&#252;tlich wie die ostpreu&#223;ische Sprache.<br />
Als ich zum Auto zur&#252;ckkam, hatte ich einen ganzen Film ver¬schossen und wu&#223;te, diese Bilder w&#252;rde ich nie wieder vergessen, auch wenn die Fotos nur Bruchteile davon zeigen w&#252;rden. Ich sp&#252;rte, etwas in mir hatte sich ver&#228;ndert, die Distanz war mir v&#246;llig abhanden gekommen jetzt hier und vorher auf dem Schiff. Wie unendlich weh mu&#223;te der Verlust dieses Landes meinen Eltern und Gro&#223;eltern getan haben, langsam begann ich die Dimension zu begreifen, den Schmerz und hatte das Gef&#252;hl Abbitte leisten zu m&#252;ssen f&#252;r meine L&#228;stereien. Und noch etwas: ich hatte mich regelrecht verguckt in dieses Land, fing an es zu lieben.</p>
<p>Mein Vater sa&#223; bei offener Autot&#252;r auf dem Fahrersitz und a&#223; eine der mitgebrachten Stullen, als ich wiederkam. Er sagte nur: „Na?“ Ich erwiderte nichts, umarmte ihn still und konnte nichts sagen, weil ich zu sehr mit mir selbst und meiner Aufgew&#252;hltheit  besch&#228;ftigt war.</p>
<p>Als wir dann weiterfuhren fragte ich mich, wie das m&#246;glich war, ich hatte doch nun bei Gott schon so viel von der Welt gesehen, so sch&#246;ne Lanstriche und dann das hier. Es war nicht nur die Sch&#246;nheit, vom ersten Augenblick an sp&#252;rte ich diese ganz besondere Verbundenheit, die sich nie wieder l&#246;ste. Das hier war auch ein St&#252;ck von mir, geh&#246;rte zu mir, wie mein Name.</p>
<p>Das Land und ich , wir hatten uns gefunden.</p>
<p>Unser Ziel war Allenstein, die Heimatstadt meines Vaters. Alle Pl&#228;tze in der Stadt die f&#252;r die Familie einmal eine Bedeutung hatten, waren mir ja durch unz&#228;hlige Er¬z&#228;h¬lungen l&#228;ngst vertraut und so war Allenstein nicht wirklich fremd f&#252;r mich, schnell hatte ich mich zurechtgefunden. Ich war begei¬stert, konnte gar nicht genug mit meinem Vater herumlaufen und kreuz und quer fahren. Hier gab es zum ersten Mal das, was ich als Kind und Jugendliche immer vermisst hatte, den eigenen Bezug zur Geschichte, hier war ich nicht in diesem merkw&#252;rdig luftleeren Raum des Nichtwissens.</p>
<p>Und mein Vater? Der war merkw&#252;rdig gelassen die ganze Zeit in Allenstein, er der eigentlich sonst eher ein Hektiker war und nicht eben von Geduld verfolgt, wurde nicht m&#252;de zu erz&#228;hlen, was wo war. Zufrieden war er, dass seine Heimatstadt kein Tr&#252;mmerhau¬fen war, das machte es ihm, der sowieso keinen Groll gegen Polen oder Russen hegte leichter, sich mit der Ge¬genwart abzufinden. Wohl hatte er etwas Bammel vor dem ersten Wiedersehen gehabt, der ihm aber schon bei der ersten Stadtrundfahrt verging. „Sieh mal,“ meinte er, „ich bin ja nicht von hier geflohen. Ich war ja schon seit meiner Einberufung zum normalen Wehrdienst 1937 nur noch auf Urlaub hier. Mein Lebensmittelpunkt lag von da an eigentlich immer da, wo meine Staffel lag, auch wenn ich dann verheiratet war und meine Frau hier in Allenstein. Ich war wirklich nur Urlauber daheim. Vielleicht w&#228;re es anders gewesen, wenn ich im letzten Urlaub, den ich im Januar 1945 bekam, um meine Familie herauszuholen noch bis hierher durchgekommen w&#228;re und dann selbst mit h&#228;tte um mein Leben laufen m&#252;ssen. Jetzt bin ich einfach nur froh, dass ich &#252;berhaupt wieder her darf und dass Allenstein so gut aussieht, dass ich so vieles noch wieder finden kann.“</p>
<p>Imme hatte ich es schon als Kind sehr interessant gefunden, in den Akten mit dem vom Gro&#223;vater penibel durchgestrichenen Hakenkreuzen zu bl&#228;ttern. Dort war alles gesammelt, was mit dem Haus zu tun hatte, das meine Gro&#223;eltern in den 30er Jahren gebaut hatten. Die H&#228;user in der Traugutta-Stra&#223;e stehen noch, auch das meiner Gro&#223;eltern.<br />
Trotz diverser schachteliger Anbauten erschien es mir kleiner, die R&#228;ume erschienen enger als erwartet. Mein Vater gab zu, dass die Gro&#223;eltern ihr Haus gern zu einem mittleren Palast gross geredet hatten, er hatte nur der Bequemlichkeit halber nicht wider¬sprochen. Ich hab schlie&#223;lich nie behauptet, dass es so gro&#223; war, wie unser jetziges oder vielleicht Gummiw&#228;nde hatte, murmelte er.</p>
<p>War es nun das, was ich dort zu finden hoffte? Eine Momentaufnahme aus der Familiengeschichte, nur eine sentimentale Remi¬niszenz an die Erz&#228;hlungen aus der Kindheit? Oder wollte ich doch nur best&#228;tigt finden, da&#223; alles nur ein Traum in der Erinnerung der Eltern war, da&#223; es dieses Land so nur in der Erinnerung der Eltern und Gro&#223;eltern gab? Was hatte ich eigentlich erwartet? Eine Art Freilichtmuseum, in dem alles mit dem Kriegsende wie eingefroren war? Aber dieses Land lebte noch &#8211; Gott sei dank!<br />
In Allenstein hatte ich schon bei dieser ersten Reise etwas erfah¬ren, wonach ich mich bereits als Kind gesehnt hatte. Das hier war meine Geschichte, hier ging mein Vater mit mir durch die Stadt und zeigte, wo die Urgro&#223;eltern gewohnt hatten, wo er zur Schule gegangen war, wo er seinen Beruf erlernt hatte und nat&#252;rlich wo fr&#252;her Cafe Bade war, indem Oma sooo gerne sa&#223;.</p>
<p>Endlich hatten Bauten und Pl&#228;tze einen Beziehung zu meinem Leben, zu meiner Familiengeschichte.</p>
<p>Die H&#228;lfte meiner Wurzeln hatte ich gefunden. Nicht einmal Orientierungsprobleme bekam ich, anscheinend hatte ich den Stadtplan schon in der Kindheit verinnerlicht. Die vielen Ge<br />
schichten hatten sich mit einigen hundertmal gesehenen Fotos zu sehr pr&#228;zisen Bildern verdichtet, die ich fast vergessen glaubte, jetzt aber nur abzurufen brauchte. Viele Jahre sp&#228;ter ging mir das mit Insterburg, der Heimatstadt meiner Mutter genauso.</p>
<p>Jedenfalls f&#252;hlte ich mich hier durchaus ein St&#252;ck weit zugeh&#246;rig, auch wenn die Menschen eine andere Sprache sprachen. Aber selbst mit dieser Sprache erlebte ich eine &#220;berraschung, denn viele Worte kannte ich aus dem Wortschatz meiner Gro&#223;mutter. F&#252;r Ostpreu&#223;isch hatte ich das immer gehalten, f&#252;r eine Art Dialekt, aber das war es nicht, es war Po Naszemu, Polnisch also. Daher klang mir dann auch die Sprache vertraut, und ich habe sie bald nur so vom Zuh&#246;ren leidlich gelernt.</p>
<p>Sicher, nach drei&#223;ig Jahren hat sich jede Stadt ver&#228;ndert, auch ohne Kriegseinwirkungen und an manchen Bauten nagt der Zahn der Zeit, manche gibt es gar nicht mehr. Trotzdem glich sie noch sehr dem, was ich vorzufinden erwartete, sie hatten in ihren Er¬z&#228;hlungen nicht einmal &#252;bertrieben, diese Stadt und ihre Umgebung waren sch&#246;n.</p>
<p>Schnell kam ich auch dahinter was mich irritierte, als ich zum ersten Mal die Altstadt sah: meine Vorstellung von Ostpreu&#223;en war schwarz &#8211; wei&#223;, genau wie die vielen Fotos, die ich gesehen hatte.</p>
<p>Das &#228;nderte sich jetzt nat&#252;rlich mit jedem Eindruck, den ich wahrnehme. Was ich mit eigenen Augen in der Gegenwart sah, wurde nat&#252;rlich farbig abgespeichert, die alten Eindr&#252;cke blieben schwarz – wei&#223;.</p>
<p>Vor dieser ersten Reise war Ostpreu&#223;en mehr eine Kindheitserinerung, durch die Familie irgendwie immer pr&#228;sent, aber dar¬&#252;ber hinaus f&#252;r mich pers&#246;nlich ohne gr&#246;&#223;ere Bedeutung. Ja ei¬gentlich hatte ich ein ambivalentes Verh&#228;ltnis zu Ostpreu&#223;en. Einerseits hatte es meine Kindheit dominiert, andererseits ging mir dieses Leben in der Vergangenheit auf den Geist. Vor allem wollte ich um keinen Preis etwas mit Revanchismus zu tun haben, wollte politisch der rechten Ecke so fern wie nur irgend m&#246;glich bleiben. Andererseits wu&#223;te ich, da&#223; sie als Ostpreu&#223;en kollektiv den Preis zahlten und andere, die als Bev&#246;lkerung einer westlicheren Region nicht mehr und nicht weniger schuldig waren, kamen kollek¬tiv ungeschoren davon. Ich war gespannt auf dieses Land, suchte aber bewusst Distanz, besonders zu den Gef&#252;hlen meiner Eltern und Gro&#223;eltern.</p>
<p>Und nach dieser Reise?</p>
<p>Ich fragte mich, wie sie diesen Verlust &#252;berhaupt verkraften konnten. Man hatte ihnen diese Heimat amputiert, der Stumpf war schlecht und recht verheilt und nun hatten sie lebenslang Phantomschmerzen. Sie mussten lernen, deutsche Schuld daran anzunehmen, Ostpreu&#223;en ist verspielt worden.  Sie haben diesen Preis zahlen m&#252;ssen, auch wenn sie nicht schuldiger waren als andere Bev&#246;lkerungsgruppen &#8211; Grenzlandschicksal.<br />
Es ber&#252;hrte mich so sehr eigene Spuren zu finden, da&#223; ich meine Reserviertheit  ziemlich schnell abgelegt hatte. Dieses Land sa&#223; mir viel tiefer im Herzen, als ich es mir je vorher eingestanden h&#228;tte, nicht nur diese Stadt, mit der ich von nun an auch selbst immer verbunden sein w&#252;rde, das ganze Land Ostpreu&#223;en hatte mich gefangen, mich f&#252;r sich eingenommen. </p>
<p>Nach dieser Reise war eigentlich nichts mehr wie vorher. Ich hatte eine andere Welt kennen gelernt, eine Welt, die eine Verbindung zu mir pers&#246;nlich hatte, die mich mit gepr&#228;gt hatte, wie ich mir eingestehen musste. Auch wenn diese Welt  keinerlei Zu¬sam¬menhang mit dem Alltagsleben in der Bundesrepublik hatte, begann ich die Dinge ganz anders einzuordnen, wusste wie un¬glaublich gut es mir ging und wieviel Gl&#252;ck ich hatte, im satten, wohlhabenden Teil der Welt geboren</p>
<p>zu sein, einer Welt, in der ich obendrein eigentlich jede nur erdenkliche Freiheit genoss.<br />
Nun wusste ich, dass es dort im Osten eine andere Welt gab &#8211; ja es gab sie wirklich noch &#8211; und f&#252;hlte mich dieser anderen Welt sofort irgendwie zugeh&#246;rig, sp&#252;rte, da&#223; sie zu dem  geh&#246;rte was meine  Pers&#246;nlichkeit ausmachte.</p>
<p>Bei dieser ersten Reise bestimmte die Spurensuche meine Ein¬dr&#252;cke von diesem Land, sp&#228;ter nahm die Bedeutung der Begegnungen immer mehr zu. Besonders als wir im Jahr darauf 22 Jahre nach Kriegsende durch einen Zufall, den der einsetzende Heimattourismus m&#246;glich machte, unsere Verwandten in Osterode wieder fanden. Was f&#252;r erin Gl&#252;ck! Das verst&#228;rkte dann das Gef&#252;hl der Verbundenheit mit dieser anderen Welt noch mehr und lie&#223; mich auch immer tiefer in sie eindringen.</p>
<p>Ich war in einem Land, weit, weit entfernt, noch entfernter von unserer Wirklichkeit in der Bundesrepublik. In einem Land, das f&#252;r mich auftauchte aus der Verwunschenheit des M&#228;rchens, aus den Geschichten meiner Kinderzeit. Ein Land aus einer anderen Zeit, einer Zeit deren Takt mit dem des Menschen noch eins ist, in dem man Hektik und Ruhelosigkeit unserer Zeit so nicht kennt.</p>
<p>Dieses Land bedient alle Sehns&#252;chte, die eine Seele in Bezug auf Heimat haben kann, Anmut und Sanftheit der H&#252;gellandschaft, die Stille verwunschener Seen, in hohe dunkle W&#228;lder eingebettet, der Frieden wenn abendliche zarte Nebelschwaden aus den saftigen Wiesen steigen und sich zu fein gesponnenen Schleiern vor den orangeroten Abendhimmel schieben, das kurze Klatschen der kleinen Haffwellen am Ufersaum, die Bernsteinbrandung an der Nehrung, das Murmeln des gleichm&#228;&#223;igen Rollens der See  im Nehrungswald, die Waldger&#228;usche, singende V&#246;gel, knakkende &#196;ste, im Wind sich wiegende B&#228;ume, einschl&#228;fernd beruhigend stetig rauschend.</p>
<p>Es gibt nichts eckiges, abruptes in dieser Landschaft, Ostpreu&#223;en ist ein rundliches Land, voll anmutiger Sch&#246;nheit, voll tiefem inneren Frieden, aber mit einem leichten Anflug von Trauer. Hat es sie schon immer gegeben, diese Melancholie? Oder ist sie Schmerz &#252;ber die tiefen Wunden, die Menschen diesem Land schlugen? Oder ist es allein unser eigener Schmerz, der diese Melancholie zu sehen glaubt? Ist es unsere eigene Trauer, die wir sehen?<br />
Wissenschaftlich betrachtet, k&#246;nnte man Flucht und Vertreibung als Binnenmigration innerhalb eines im Zerfall befindlichen Staates einordnen. Es gibt tats&#228;chlich etliche Parallelen was die sozialen Probleme dieser deutschen Fl&#252;chtlingskinder und heutiger Migrantenkinder betrifft. Andererseits ist ein gro&#223;er Unterschied zu verzeichnen, Migration kann etwas freiwilliges sein, Flucht und Vertreibung bedeuten einen gewaltsamen Heimatverlust f&#252;r immerhin ein F&#252;nftel der Bev&#246;lkerung. Die gr&#246;&#223;te Deckungsgleichheit gibt es daher, wenn man die deutschen Fl&#252;chtlingskinder mit Asylantenkindern vergleicht. Auch nach dem zweiten Weltkrieg n&#228;mlich gab es Auseinandersetzungen ob der Wohnungsnot, ein Verteilungskampf der beiden Schicksalsgemeinschaften Ausgebombte und Fl&#252;chtlinge entbrannte. Es gab &#220;berfremdungs&#228;ngste, Angst vor der Konkurrenz um den Arbeitsplatz, Neid ob der in den 50er Jahren einsetzenden Lastenausgleichszahlungen mit denen oft H&#228;user gebaut wurden, Vorstellungen von sozialer Desintegration sowie massive xenophobe Abwehrreaktionen.</p>
<p>F&#252;r die Kinder aus Fl&#252;chtlingsfamilien galt generell:<br />
- Fl&#252;chtlingskinder hatten durchweg traumatisierte Eltern, Gro&#223;eltern und Verwandte.<br />
- Fl&#252;chtlingskinder hatten niemanden, der ihnen die Umwelt in die sie hineingeboren wurden erkl&#228;ren konnte.<br />
- Fl&#252;chtlingskinder erfuhren Ablehnung obwohl sie auch Deutsche waren und am Ort geboren waren.<br />
- Fl&#252;chtlingskinder wuchsen zwischen zwei Welten und Identit&#228;ten auf, ihrer eigenen ortsgebundenen und der idealisierten ihrer Eltern. In Mischfamilien wurde dieser Punkt oft durch ein „Vergessen“ der Fl&#252;chtlingsidentit&#228;t &#252;berwunden. Viele meiner Altersgenossen aus solchen Familien wissen nicht einmal genau, wo dieser Elternteil herkam. Auch der Fl&#252;chtlingselternteil selbst wurde am schnellsten durch Schweigen in die neue Umwelt integriert.</p>
<p>Unsere Identit&#228;t war also immer auch ein Spagat zwischen der Heimat-Identit&#228;t unser Eltern und der Identit&#228;t der Region, in der unsere Sozialisation stattfand.<br />
Immer war da auch diese virtuelle Identit&#228;t, die unsere Familien ins Exil mitgebracht hatten., die uns vermittelt wurde und unsere Loyalit&#228;t den Eltern gegen&#252;ber gebot es uns eigentlich, diese Elternidentit&#228;t hochzuhalten, sie zu pflegen und zu hegen.<br />
- Fl&#252;chtlingskinder erlebten eine Bindungslosigkeit an ihre Umgebung, die erst mit dem Heranwachsen und w&#228;hrend des Abnabelungsprozesses zur&#252;ck gedr&#228;ngt wird. Dann und mit der Angleichung der Lebensverh&#228;ltnisse begann die Pr&#228;gung durch die Umwelt einen st&#228;rkeren Einfluss zu gewinnen. Allen ist durch die Traumata der Eltern das Drama des Verlustes. Satt mit einem Urvertrauen, das auf Sicherheit gr&#252;ndet, wachsen sie auf mit dem Gef&#252;hl, dass man jederzeit alles verlieren kann. Als Langzeitfolge sieht man in dieser Gruppe vor allem die beiden Extreme h&#228;ufig vertreten. Zum einen ist da die fast krampfhafte Anstrengung einer eigenen Verwurzelung durch eine v&#246;llige Identifizierung mit und Bindung an die eigene Heimatregion in der man geboren wurde, oder eine Region, die man sich selbst ausgesucht hat und zu der ein starkes Zugeh&#246;rigkeitsgef&#252;hl entstanden ist. Bei der anderen Gruppe herrscht die v&#246;llige Bindungslosigkeit eines Weltb&#252;rgertums, die wenn man tiefer schaut oft einfach Verlustangst ist, der nach der Devise „was ich nicht habe, kann mir auch niemand nehmen“ begegnet wird.</p>
<p>- Fl&#252;chtlingskinder erleben von ihren Eltern eine gro&#223;e Bandbreite von vermittelten Denkmustern. Bei den einen Familien kam kaum ein anderes Thema aufs Tapet als die verlorene Heimat, den anderen war gerade dieses Thema ein Tabu. Letzteres war bei Mischfamilien h&#228;ufiger als bei reinen Fl&#252;chtlinsgfamilien.</p>
<p>- Fl&#252;chtlingskinder erfuhren oft erst als das Thema Flucht und Vertreibung im Zuge der Berichterstattung &#252;ber die Balkankriege wieder in den Vordergrund r&#252;ckte, die ganze Geschichte, vor allem die der Frauen in ihrer Familie. Aus Scham vor den erlittenen Dem&#252;tigungen, Erniedrigungen, Vergewaltigungen und dem Gef&#252;hl der eigenen Niederlage hatten sie Jahrzehnte lang geschwiegen. Doch oft hatte dieses eiserne Schweigen sie selbst verh&#228;rtet und wir erlebten sie als kalt und unnahbar, ohne um die Gr&#252;nde zu wissen. Das f&#252;hrte dazu, dass wir Nachgeborenen uns unseren M&#252;ttern und Gro&#223;m&#252;ttern gegen&#252;ber schuldig empfanden und so waren wir pl&#246;tzlich als reife Erwachsene wieder in diesem Kreislauf von Trauer und Verlust gelandet.</p>
<p>„Das Erbe tragen wir in uns“ schreibt Helga Hirsch in ihrem Buch „Schweres Gep&#228;ck“.<br />
Das war und bleibt so, ob wir wollen oder nicht. Es war oft ein Hin- und Hergerissensein und manchmal eine ziemlich Wut auf dieses ferne Masuren. Dazu waren wir konfrontiert mit dem Gedanken, dass Deutsche, vor allem unsere Eltern und Gro&#223;eltern nicht nur T&#228;ter sondern auch Opfer waren, mussten erkennen, dass Geschichte eben nicht eindimensional in gut und b&#246;se unterteilen kann. Es war nicht einfach unter einen Hut zu bringen, dass Flucht und Vertreibung als gerechte Strafe angesehen wurde, diese Strafe aber weder gerecht auf die Deutschen verteilt war, noch zwischen pers&#246;nlich Schuldigen und Unschuldigen unterscheiden konnte. Wir erlebten in unseren eigenen Familien, dass Geschichte etwas sehr komplexes ist. F&#252;r die Generation der 68er zu der ich geh&#246;re war es schwierig politisch auf der „richtigen“ Seite zu stehen, deutsche Schuld keinesfalls zu relativieren, aber auch das Schicksal unserer Familien nicht zu verleugnen.</p>
<p>Mit diesem Teil des Erbes waren wir lange ausgelastet. Erst nach der Wende gingen die meisten von uns daran, sich mit Masuren, diesem Herkunftsland ihrer Familien zu n&#228;her besch&#228;ftigen und es zu besuchen, oft noch gemeinsam mit den Eltern.<br />
F&#252;r kaum jemanden von uns ist die Reise zu den eigenen Wurzeln eine Urlaubsreise wie jede andere gewesen. Immer waren da auch diese ganz besonderen Emotionen, die hochkamen wenn man entdeckte, dass dieses Land ein Teil von einem selbst ist.<br />
Spurlos geht diese Reise zu den eigenen Wurzeln an keinem vorbei, so s&#246;hnten sich die meisten mit ihren Wurzeln aus und nehmen ihre eigene komplizierte, von vielen widerspr&#252;chlichen Einfl&#252;ssen gepr&#228;gte  Identit&#228;t an.</p>
<p>Aber sind wir deswegen noch Kinder Masurens? Oder haben wir zwei Heimaten?<br />
Was ist &#252;berhaupt Heimat? Einigen wir uns auf den paradiesischen angstfreien Zustand der Kindheit, der reale Ort an den wir – und das ist wie ein beruhigendes Versprechen – immer zur&#252;ckkommen k&#246;nnen. Wenn wir Heimat wissenschaftlich gesehen  als Zugeh&#246;rigkeit zu einem vertrauten Ort mit einer &#252;berschaubaren sozialen Gruppe innerhalb der Gesellschaft betrachten, folgt daraus fast zwingend, dass man Heimat nicht vererben kann.<br />
Was man vererben kann sind Wurzeln, Pr&#228;gungen durch Generationen von Menschen und ihre speziellen Denk- und Verhaltensweisen, Sprache und einen spezifischen Wertekonsens, also alles, was das kollektive Ged&#228;chtnis einer Familie ausmacht und was man am ehesten unter kultureller Identit&#228;t zusammenfassen kann.</p>
<p>Masuren ist nicht unsere Heimat, kann es nicht sein, aber es ist in uns und so lange wir uns damit besch&#228;ftigen, wird es nicht sterben, das alte Masuren unsrer Eltern und Gro&#223;eltern. Wir sind da eher ein wenig wie verwaist, eher die Waisen eines Masuren, dass schon vor unserer Geburt starb.</p>
<p>Unsere eigene Heimat ist unsere pers&#246;nliche Angelegenheit, man kann sie uns nicht anerziehen, sie kann nur dort sein, wo wir uns als Kinder geborgen f&#252;hlten, wo wir die Welt zu entdecken begannen. Die Suche einer as eigenen Identit&#228;t war f&#252;r viele von uns ein langer, komplizierter Prozess, und zu dieser Identit&#228;t geh&#246;rt beides, Masuren, die Heimat unserer Eltern und unserer eigene Heimat.</p>
<p>Und ich? Ich bin wie ein Baum mit ganz langen Wurzeln, dis bis nach Masuren reichen. Aber meine Heimat ist Norddeutschland. Ich brauche das Wasser, Wasser mit all seiner Sch&#246;nheit, Wildheit und allen Gefahren. Ich brauche die K&#252;ste, das weite platte Land mit dem dramatischen Himmel dar&#252;ber, muss mich am Meer oder am gro&#223;en Strom jederzeit durchpusten lassen k&#246;nnen. Und ich muss den Himmel sehen k&#246;nnen, frei und ohne den Kopf erst in den Nacken legen zu m&#252;ssen, ich brauche den Horizont in Augenh&#246;he. Bei aller Sch&#246;nheit und aller Liebe zu Masuren, ohne Masurens Wald k&#246;nnte ich leben, ohne die K&#252;ste nicht.</p>

<p style='text-align:left'>&copy; 2010, <a href='http://www.jaeger-dabek.com'>Brigitte Jaeger-Dabek</a>. All rights reserved. </p><div class="seitzeichen" style="margin: 10px 0;"><script type="text/javascript">szu='http%3A%2F%2Fwww.jaeger-dabek.com%2Fheimat-oder-was%2F'; szt='Heimat+oder+was%3F';</script><script type="text/javascript" src="http://w4.seitzeichen.de/w/32/21/widget_3221b02dc9b1b0710c4562b9a083dc56.js"></script></div>

<p>Related posts:<ol><li><a href='http://www.jaeger-dabek.com/leben-in-der-fremde/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Leben in der Fremde'>Leben in der Fremde</a> <small>Tagelang war Johanna Dresp ruhelos durch ihre ziemlich zerstörte Stadt...</small></li>
</ol></p>
<p>Ähnliche Artikel bereitgestellt von <a href='http://mitcho.com/code/yarpp/'>Yet Another Related Posts Plugin</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jaeger-dabek.com/heimat-oder-was/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Das Kopftuch und der Islam</title>
		<link>http://www.jaeger-dabek.com/das-kopftuch-und-der-islam/</link>
		<comments>http://www.jaeger-dabek.com/das-kopftuch-und-der-islam/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 13 Apr 2010 16:41:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Brigitte Jaeger-Dabek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interkulturelles]]></category>
		<category><![CDATA[frauenbild islam]]></category>
		<category><![CDATA[Kopftuch islam]]></category>
		<category><![CDATA[kopftuchstreit]]></category>
		<category><![CDATA[kopftuchträger]]></category>
		<category><![CDATA[stellung der frau im islam]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jaeger-dabek.com/?p=232</guid>
		<description><![CDATA[Religi&#246;se Gebote und Kopftuchs-Traditionen  im Islam und der Kopftuchstreit.


Related posts:<ol><li><a href='http://www.jaeger-dabek.com/islam-in-deutschlandmuslime-zwischen-integration-und-parallelgesellschaft/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Islam in Deutschland &#8211; Muslime zwischen Integration und Parallelgesellschaft'>Islam in Deutschland &#8211; Muslime zwischen Integration und Parallelgesellschaft</a> <small>Sind Deutschlands Muslime integrierbar? Die in Deutschland lebenden Muslime stammen...</small></li>
</ol>

Ähnliche Artikel bereitgestellt von <a href='http://mitcho.com/code/yarpp/'>Yet Another Related Posts Plugin</a>.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>F&#252;r eine muslimische Frau gibt es viele Gr&#252;nde ein Kopftuch zu tragen. Es ist keinesfalls nur sozialer Druck, es ist immer &#246;fter eine frei entschiedene Glaubensaus&#252;bung und manchmal auch eine Protesthaltung gegen eine den islamischen Glauben ablehnende Mehrheitsgesellschaft. Die theologischen Grundlagen f&#252;r das Kopftuchgebot stehen in Koran und Sunna.</p>
<p>Kopftuchtragende Frauen geh&#246;ren auch in Deutschland l&#228;ngst zum Stra&#223;enbild. Damit machen sie gesellschaftliche Realit&#228;ten sichtbar, zeigen sie doch, dass es neben dem Christentum noch andere Religionen mit einer gro&#223;en Zahl von Gl&#228;ubigen gibt. Vielen Mitgliedern der Mehrheitsgesellschaft erscheint das bedrohlich, es macht ihnen Angst, denn dieses Kopftuch geh&#246;rt zu einer fremden Welt, die nun aber mitten in unserer vertrauten Welt existiert und von der die meisten von uns nichts wissen. Ein unbefangenes Zugehen auf diese fremde islamische Welt f&#228;llt schwer, leichter ist es, das Fremde auszugrenzen und mit negativen Stereotypen zu belegen. Die Frage, warum muslimische Frauen eigentlich Kopft&#252;cher tragen, wird dabei kaum noch gestellt.</p>
<p><strong>Das Kopftuch, eine lange Tradition</strong><br />
Als Frau den Kopf zu bedecken, wenn man den &#246;ffentlichen Raum oder ein Gotteshaus betritt, ist beileibe keine Erfindung des Islams. Noch heute bedecken orthodox-j&#252;dische Frauen ihr Haupthaar durch ein ganz &#228;hnlich gebundenes Tuch oder durch eine Per&#252;cke, ihre M&#228;nner tragen eine Kipa oder einen Hut. Auch in Deutschland tragen nicht nur russlanddeutsche Frauen, sondern viele &#228;ltere Frauen auf dem Land bis heute eine Kopftuch und zu einer Papstaudienz wird keine Frau mit blo&#223;em Haupt erscheinen, auch Nonnen sind bedeckt.</p>
<p>Schiebt man einmal alles Symbolhafte wie Zeichen der kulturellen R&#252;ckst&#228;ndigkeit, der Unterdr&#252;ckung der Frau durch den Mann und des Ausdrucks einer Zustimmung zu islamistischen Positionen beiseite, kann man zu den theologischen Grundlagen vordringen.</p>
<p><strong>Glaubespflicht oder Gebot?</strong><br />
Das Tragen eines Kopftuches ist f&#252;r muslimische Frauen keine unabdingbare Glaubenpflicht, sondern ein Glaubensgebot. So sehen es auch die meisten muslimischen Geistlichen: als Gebot und nicht als Vorschrift, aber das gilt keineswegs f&#252;r alle Glaubensrichtungen. Eine &#252;bergeordnete Instanz wie den Papst, der eine allgemeinverbindliche Entscheidung f&#228;llen k&#246;nnte, existiert nicht. Es gibt als auch das Kopftuch betreffend unterschiedliche Deutungsm&#246;glichkeiten.</p>
<p>F&#252;r die meisten Tr&#228;gerinnen bedeutet das Kopftuch heute eine Glaubensaus&#252;bung, etwas wie das als individuelle Pflicht empfundene t&#228;gliche Gebet. W&#228;re das Kopftuch hingegen als Symbol zu werten, wie westliche Betrachter es gern tun, g&#228;lte eine entsprechende Vorschrift im Islam auch f&#252;r M&#228;nner. Auch wenn die Alltagspraxis leider nicht selten anders aussieht: grunds&#228;tzlich haben Frauen und M&#228;nner im Islam die gleiche W&#252;rde, denn vor Allah sind sie gleich und genie&#223;en dieselben Rechte. auch wenn es keine Gleichberechtigung in der Gesellschaft gibt, sondern eine Segregation der Geschlechter.</p>
<p>Vor allem ein gro&#223;es Missverst&#228;ndnis pr&#228;gt die westliche Sicht auf das Kopftuch und seine Tr&#228;gerinnen: es bedeutet nicht die Unterordnung unter den Mann, sondern unter den Glauben, obwohl es nat&#252;rlich dazu missbraucht werden kann.</p>
<p>Das Kopftuchgebot im Islam soll die W&#252;rde der Frau sch&#252;tzen und den respektvollen Umgang von Mann und Frau f&#246;rdern, soll sexistische Ann&#228;herungen und Anmache sowie sexuelle Bel&#228;stigung verhindern. Das Gebot ein Kopftuch zu tragen kommt bereits mit Eintreten der Geschlechtsreife zum Tragen und hat nichts mit der Ehe zu tun.</p>
<p><strong>Die theologische Beg&#252;ndung ds islamischen Kopftuch-Gebots</strong><br />
Die theologische  Begr&#252;ndung f&#252;r das Gebot zum Kopftuchtragen ergibt sich in erster Linie aus dem Koran. Die Sure 24,31  ruft die Frauen dazu auf, ihre Reize vor den M&#228;nnern zu verbergen:<br />
&#8220;Sprich zu den Gl&#228;ubigen, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Scham bewahren. Das ist reiner f&#252;r sie. Siehe, Allah kennt ihr Tun. Und sprich zu den gl&#228;ubigen Frauen, dass sie ihre Blicke niederschlagen und ihre Scham h&#252;ten und dass sie nicht ihre Reize zur Schau tragen, es sei denn, was sichtbar ist, und dass sie ihren Schleier &#252;ber ihren Busen schlagen und ihre Reize nur ihren Ehegatten zeigen oder ihren V&#228;tern oder den V&#228;tern ihrer Ehegatten oder ihren S&#246;hnen oder den S&#246;hnen ihrer Ehegatten oder ihren Br&#252;dern oder den S&#246;hnen ihrer Br&#252;der oder den S&#246;hnen ihrer Schwestern oder ihrer Frauen oder denen, die ihre Rechte besitzen (die Sklavinnen), oder ihren Dienern, die keinen Trieb haben, oder Kindern, welche die Bl&#246;&#223;e der Frauen nicht beachten. Und sie sollen nicht ihre F&#252;&#223;e zusammenschlagen, damit nicht ihre verborgenen Reize sichtbar werden.&#8221;</p>
<p>Auch die Sure 33,59 empfiehlt, den Kopf mit einem Tuch zu bedecken:<br />
&#8220;Prophet! Sag deinen Gattinnen und T&#246;chtern und den Frauen der Gl&#228;ubigen, sie sollen (wenn sie aus dem Hause treten) sich etwas von ihrem Gewand (&#252;ber den Kopf) herunterziehen. So ist es am ehesten gew&#228;hrleistet, dass sie (als ehrbare Frauen) erkannt und deshalb nicht bel&#228;stigt werden. Allah aber ist barmherzig und bereit zu vergeben.&#8221;</p>
<p>Einzelheiten &#252;ber die Verhaltensvorschriften stehen in Sure 24,30.:<br />
Sprich zu den gl&#228;ubigen M&#228;nnern, da&#223; sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren sollen. Das ist reiner f&#252;r sie. Wahrlich, Allah ist recht wohl kundig dessen, was sie tun.</p>
<p>Nun  ist in allen diesen Koranabschnitten nicht direkt vom Kopftuch die Rede Wie die Muslima Frauen sich also korrekt zu kleiden hat, ist zun&#228;chst eine Frage der Auslegung und in nicht arabisch sprechenden L&#228;ndern auch der &#220;bersetzung des Korans. Wenn man allein die deutschen Koran&#252;bersetzungen betrachtet, wird man eine Vielzahl von &#220;bersetzungsm&#246;glichkeiten finden,  von „ihren Schleier &#252;ber ihren Busen schlagen“, &#252;ber  „sich etwas von ihrem Gewand (&#252;ber den Kopf) herunterziehen“ oder „dass sie von ihrem Dschilbab (oder persisch: Tschador) &#252;ber sich ziehen“, „dass sie ihre Schleier &#252;ber ihren ganzen K&#246;rper ziehen“ bis hin zum einfachen &#8220;sie sollen ihre T&#252;cher &#252;ber sich ziehen&#8221;.</p>
<p>So kann man allein &#252;ber die Bedeutung des Wortes Dschilbab schier ewig diskutiren, es kann in diesem Zusammenhang von Umhang bis zu einem xbeliebigen bedeckenden Tuch alles sein. Der Koran ist eben nicht ein Gesetzeswerk wie das Bundesgesetzbuch in entsprecheder Sprache sondern ein poetisches Buch in vollendetem Arabisch. Man sieht hieran die Schwierigkeiten der Koran-&#220;bersetzung, weshalb eine &#220;bersetzung des Korans in der klassischen islamischen Theologie als unm&#246;glich gilt und es eben keine autorisierten &#220;bersetzungen gibt.</p>
<p><strong>Begr&#252;ndungen aus der Sunna</strong><br />
Die Sunna besteht aus einer Reihe von &#220;berlieferungen, die  Aussagen und Taten des Propheten Mohammed festhalten und stellt eine zweite Quelle des islamischen Glaubens dar. In der Hadith-Sammlung von Abu Dawud hei&#223;t es &#252;ber die Prophetengattin Aischa: „Als Allah herab sandte: ’Und sie sollen ihre Kopft&#252;cher &#252;ber ihre Kleiderausschnitte schlagen’ zertrennten sie ihre Gew&#228;nder und verwendeten sie als Kopft&#252;cher f&#252;r sich.“</p>
<p>An einer weiteren Stelle wird von Aischa berichtet, dass der Prophet seinen Blick von ihrer Schwester Asmaa abwandte, als diese einmal mit durchsichtiger Kleidung zu ihm kam. Er sagte zu ihr: &#8220;Asmaa, wenn eine Frau ihre erste Regelblutung hatte, soll man nichts von ihr sehen, au&#223;er diesem und diesem.&#8221; Und er zeigte dabei auf sein Gesicht und seine H&#228;nde.</p>
<p>Wie erw&#228;hnt gelten die Kleidervorschriften ab dem Eintreten der Geschlechtsreife. Doch auch vor dem Erreichen dieses Alters sollen bestimmte K&#246;rperpartien wie die Geschlechtsteile bedeckt, denn Schamhaftigkeit geh&#246;rt im Islam zur Glaubensaus&#252;bung.</p>
<p>Alle Glaubensgebote und Vorschriften des Islam sollen bewusst aus &#220;berzeugung und freiem Willen befolgt werden und nicht einem Druck nachgebend.</p>
<p>Das Nichttragen des Kopftuches bedeutet f&#252;r die Muslima nicht die Abkehr vom Islam und darf im Islam allein nicht als Ma&#223;stab f&#252;r die Fr&#246;mmigkeit einer Frau gelten.</p>

<p style='text-align:left'>&copy; 2010, <a href='http://www.jaeger-dabek.com'>Brigitte Jaeger-Dabek</a>. All rights reserved. </p><div class="seitzeichen" style="margin: 10px 0;"><script type="text/javascript">szu='http%3A%2F%2Fwww.jaeger-dabek.com%2Fdas-kopftuch-und-der-islam%2F'; szt='Das+Kopftuch+und+der+Islam';</script><script type="text/javascript" src="http://w4.seitzeichen.de/w/32/21/widget_3221b02dc9b1b0710c4562b9a083dc56.js"></script></div>

<p>Related posts:<ol><li><a href='http://www.jaeger-dabek.com/islam-in-deutschlandmuslime-zwischen-integration-und-parallelgesellschaft/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Islam in Deutschland &#8211; Muslime zwischen Integration und Parallelgesellschaft'>Islam in Deutschland &#8211; Muslime zwischen Integration und Parallelgesellschaft</a> <small>Sind Deutschlands Muslime integrierbar? Die in Deutschland lebenden Muslime stammen...</small></li>
</ol></p>
<p>Ähnliche Artikel bereitgestellt von <a href='http://mitcho.com/code/yarpp/'>Yet Another Related Posts Plugin</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jaeger-dabek.com/das-kopftuch-und-der-islam/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der wei&#223;e B&#228;r</title>
		<link>http://www.jaeger-dabek.com/der-weisse-baer/</link>
		<comments>http://www.jaeger-dabek.com/der-weisse-baer/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 09 Apr 2010 11:49:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Brigitte Jaeger-Dabek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[erzählung]]></category>
		<category><![CDATA[geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[homosexuelle]]></category>
		<category><![CDATA[parabel]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jaeger-dabek.com/?p=219</guid>
		<description><![CDATA[Der kleine B&#228;r war wei&#223;, wei&#223; wie der Schnee, den es so selten gab in dem Land, in dem er lebte. Er war nicht wei&#223;, weil etwa alle B&#228;ren in diesem Land wei&#223; gewesen w&#228;ren, nein, er war der einzige wei&#223;e B&#228;r, alle anderen B&#228;ren waren braun, sie lebten ja schlie&#223;lich  in Braunb&#228;rland.

Anfangs hatte er ....


No related posts.

Ähnliche Artikel bereitgestellt von <a href='http://mitcho.com/code/yarpp/'>Yet Another Related Posts Plugin</a>.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Der kleine B&#228;r war wei&#223;, wei&#223; wie der Schnee, den es so selten gab in dem Land, in dem er lebte. Er war nicht wei&#223;, weil etwa alle B&#228;ren in diesem Land wei&#223; gewesen w&#228;ren, nein, er war der einzige wei&#223;e B&#228;r, alle anderen B&#228;ren waren braun, sie lebten ja schlie&#223;lich  in Braunb&#228;rland.</p>
<p>Anfangs hatte er ja ausgesehen, wie alle anderen kleinen B&#228;rchen, niedlich und vor allem braun, aber eines Tages begann sein B&#228;renpelzchen immer heller zu werden, bis es ganz wei&#223; war. Die Eltern erschraken &#8211; oh B&#228;rengott, sie hatten einen wei&#223;en Sohn, was sollte werden?</p>
<p>Aber der kleine, nun ganz wei&#223;e B&#228;r fand einen Ausweg. Er hatte eine Wurzel gefunden im Braunb&#228;renwald, in dem sie lebten. Er zerstampfte sie, zerkochte sie ganz heimlich in der allerhintersten Ecke ihrer H&#246;hle, und  strich sich die brauen Br&#252;he auf den Pelz. Gut war es, denn die braune Farbe &#252;berstand sogar mal einen nicht zu heftigen Regenguss.  Nur baden konnte der kleine gef&#228;rbte B&#228;r nicht, das Wasser h&#228;tte ihm dann doch seinen sch&#246;nen braunen Scheinpelz aufgel&#246;st. Aber sonst lebte der kleine gef&#228;rbte B&#228;r wie jeder andere junge Braunb&#228;r auch.</p>
<p>Bald  hatte der kleine B&#228;r mit dem F&#228;rben so viel &#220;bung und machte es so geschickt, dass selbst seine Eltern manchmal verga&#223;en, dass ihr B&#228;rensohn wei&#223; war. Er hatte ein freundliches Wesen, war immer vergn&#252;gt und zu einem frechen Spruch aufgelegt und die anderen B&#228;ren mochten ihn.</p>
<p>Dennoch, immer wieder einmal hatte seine Muter traurig geseufzt, wenn sie ihn anschaute und hatte immer wieder mit dem Schicksal gehadert, weil er wei&#223; war. Ach w&#228;re er doch braun, klagte sie im Stillen, er ist so ein kluger kleiner B&#228;r, so fr&#246;hlich und recht witzig!</p>
<p>Der Vater des kleinen wei&#223;en B&#228;ren war eine bekannte Pers&#246;nlichkeit in der B&#228;rengesellschaft, er war Klugb&#228;r von Beruf und galt als gescheit und gebildet, wusste immer Rat und Ausweg. Insgeheim fragte er sich aber immer wieder, was er falsch gemacht habe, dass er einen wei&#223;en B&#228;ren zum Sohn habe.</p>
<p>Als der kleine wei&#223;e B&#228;r gro&#223; wurde, konnte er sich bei all seiner Pelzf&#228;rberei nicht l&#228;nger vormachen, dass er ein ganz normaler kleiner brauner B&#228;r w&#228;re. Und er w&#228;re es doch so gern gewesen! Aber er wusste, dass er mit einem anderen Braunb&#228;ren zusammen nicht gl&#252;cklich werden konnte.</p>
<p>Und doch sehnte er sich nun wo er erwachsen geworden war, wie jeder andere B&#228;r auch nach einem anderen B&#228;ren, einem Wesen, dass er liebte, das ihn liebte, am besten einem wei&#223;en B&#228;ren. Er zog durch alle B&#228;renwelten, immer auf der Suche nach einem B&#228;ren, der war wie er, einer verwandten, wei&#223;en B&#228;renseele.</p>
<p>Ach wie sehr w&#252;nschte er sich etwas N&#228;he und W&#228;rme, und ein Gesch&#246;pf an seiner Seite, dem er anvertrauen k&#246;nnte, dass er gar kein brauner B&#228;r ist. Dann rollte er sich traurig und ersch&#246;pft hinten in seiner kleinen eigenen H&#246;hle zusammen und weinte ein bisschen, gab es denn f&#252;r wei&#223;e B&#228;ren keine Seele zum lieb haben?</p>
<p>Seinen Eltern mochte er seinen Kummer nicht anvertrauen, er wusste ja, dass er ihnen keinen braunen B&#228;ren heimf&#252;hren konnte, wie es Sitte war, wie sollte er es ihnen beibringen? So suchte er weiter und wollte die Suche nach der gro&#223;en wei&#223;en B&#228;renliebe schon aufgeben.</p>
<p>So viele L&#228;nder hatte er kennen gelernt. L&#228;nder mit hohen Bergen und Schnee, und gehofft, dass es in so einem Land doch auch wei&#223;e B&#228;ren geben musste, wenigstens ein paar wei&#223;e B&#228;ren, aber er fand keine. Und er streifte ruhelos umher, lernte die sch&#246;nsten Landschaften kennen, warme L&#228;nder am Meer, dichte Urw&#228;lder, W&#252;sten und gr&#252;ne Steppen, sogar die Lande des russischen B&#228;ren durchwanderte er. Doch er fand nur braune B&#228;ren, zwar hatte er so manchen Braunb&#228;r in Verdacht auch ein wei&#223;er B&#228;r zu sein, aber keiner wollte sich verraten und sich den Pelz wei&#223;waschen lassen, sie hatten alle Angst, sich ihm ganz zu &#246;ffnen.</p>
<p>Eines Tages kam er in ein Land unter Palmen,  in dem immer die Sonne schien, und das von vielen Braunb&#228;ren gering gesch&#228;tzt wurde. Ach hier war alles so leicht, so freundlich, so voller Musik und Tanz. Ach war das sch&#246;n, denn schon immer hatte der kleine wei&#223;e B&#228;r, der nun l&#228;ngst ein gro&#223;er wei&#223;er B&#228;r war, den Tanz geliebt. Und er lernte B&#228;ren kennen, denen es ganz egal war, welche Farbe sein Pelz hatte, ja als er ein Weilchen da war, erkannte er sogar ein  paar andersfarbige B&#228;ren, er sah wei&#223;e, graue und etwas scheckige B&#228;ren. Da sprang er ins herrlich warme Meer, und badete ausgiebig. Er blieb so lange im Wasser, bis die ganze braune Farbe abgesp&#252;lt war.</p>
<p>Und dann sah er ihn pl&#246;tzlich, den tanzenden jungen B&#228;ren, tats&#228;chlich, einen richtigen Tanzb&#228;ren, strahlend wei&#223; von der Sonne gebleicht, viel wei&#223;er noch war dessen Pelz als seiner und ein Stich ging in sein Herz. Er konnte seine Augen nicht von ihm lassen und bebte fast vor Freude, als er merkte, wie der junge wei&#223;e B&#228;r seinen Blick erwiderte. Magisch voneinander angezogen, gingen sie aufeinander zu.  Ach war der Tanzb&#228;r gl&#252;cklich, dass der fremde wei&#223;e B&#228;r seine Sprache verstand, weil er so weit herumgekommen war.</p>
<p>Und sie redeten und redeten und erz&#228;hlten sich ihr Leben, gingen spazieren, setzten sich ans Meer. Tief ber&#252;hrt stellten sie beide fest, welch gro&#223;e N&#228;he zwischen ihnen war, welche W&#228;rme und welch vertraute Verbundenheit, nach der sich beide ihr ganzes Leben lang gesehnt hatten. Zitternd, noch voller Zweifel fassten sie sich vorsichtig bei der Hand. Konnte das sein, sollte das wirklich der eine sein, nach dem er sich das ganze Leben lang gesehnt hatte fragte sich der wei&#223;e B&#228;r? Ganz zart und tastend legte der wei&#223;e B&#228;r seinen Arm um den Tanzb&#228;ren, er war doch so viel &#228;lter und wollte ihn nicht erschrecken. Aber der junge Tanzb&#228;r nahm ihm alle &#196;ngste, seine leuchtenden braunen Augen schauten den wei&#223;en B&#228;ren voller W&#228;rme und Zuneigung an und l&#246;schten alle Fragzeichen in dessen Augen. Ganz sanft legte er seine Arme um den Hals des wei&#223;en B&#228;ren und k&#252;sste ihn, erst vorsichtig und z&#246;gernd, dann immer leidenschaftlicher.</p>
<p>Die beiden B&#228;ren versanken in einem Taumel von Gl&#252;ckseligkeit, streichelten sich, kosten einander, noch immer voller Erstaunen in den leuchtenden Augen. In wonniglicher Umarmung sanken sie auf den warmen Sand und liebten sich, als gesch&#228;he es das erste Mal auf Erden, als zuckten Blitze, bebte die Erde und verschl&#228;nge sie das Meer.</p>
<p>Sie hatten beide gefunden, was sie immer gesucht hatten, den einen wei&#223;en B&#228;ren, der die Seele des anderen ber&#252;hrte, der das Herz singen lie&#223;, &#252;ber alle Fernen hinweg nah blieb. Und die Familie des Tanzb&#228;ren hie&#223; den fremden wei&#223;en B&#228;ren, der von so weit hergekommen war in ihrer Mitte willkommen, denn sie sahen &#252;ber alle Zweifel hinweg nur die Liebe, die  in den Augen der beiden wei&#223;en B&#228;ren leuchtete.</p>
<p>Der wei&#223;e B&#228;r kam jetzt so oft der konnte in das Land der ewigen Sonne und jedes Mal wurde seine Sehnsucht gr&#246;&#223;er, denn er hatte die Liebe erlebt, war in ihr  versunken, in dieser Welt voller W&#228;rme und Z&#228;rtlichkeit.</p>
<p>Zu Hause in Braunb&#228;rland war es kalt, immer kalt und er f&#252;hlte sich einsam. Er wollte nun nicht mehr l&#252;gen und tat aller Welt kund, dass er in Wahrheit ein wei&#223;er B&#228;r sei. Viele Braunb&#228;ren seiner Umgebung hatten es ja l&#228;ngst geahnt und tr&#246;steten ihn. Das macht doch nichts, sagten sie, du bleibst uns doch derselbe.</p>
<p>Dass er ein wei&#223;er B&#228;r war, konnte ja noch angehen in Braunb&#228;rland, die Braunb&#228;ren hatten viel gelernt, und die meisten wussten, dass wei&#223;e B&#228;ren nicht schlechter sind, als braune B&#228;ren. Aber dass er in der Ferne einen anderen wei&#223;en B&#228;ren kennen und lieben gelernt hatte, das verstanden viele Braunb&#228;ren nicht. Und dann sprach dieser fremde B&#228;r die Braunb&#228;rensprache nicht und war noch viel wei&#223;er. Obendrein war er auch noch ein viel j&#252;ngerer B&#228;r und Tanzb&#228;r und kein Klugb&#228;r, wie der Vater des wei&#223;en B&#228;ren.</p>
<p>Alles prasselte auf den wei&#223;en B&#228;ren ein und er fragte sich, ob denn so ein kleines Bisschen Liebe f&#252;r ihn in seiner Heimat Braunb&#228;rland nicht erlaubt sein sollte, ach sie taten doch niemandem etwas und nahmen doch keinem Braunb&#228;ren etwas weg.</p>
<p>Er verzagte fast, denn er wollte doch den Tanzb&#228;ren zu sich holen, was sich als sehr schwierig herausstellte, denn so ohne weiteres gestattete man es doch keinem wei&#223;en Tanzb&#228;ren nach Braunb&#228;rland einzureisen. Aber er lie&#223; sich nicht beirren und am Ende erlaubten die M&#228;chtigen in Braunb&#228;rland es doch.</p>
<p>Er holte seinen geliebten Tanzb&#228;ren im Sonnenland ab und reiset mit ihm nach Braunb&#228;rland. Der wei&#223;e B&#228;r zeigte dem Tanzb&#228;ren seine kalte Heimat, die diesem so fremd, aber auch so aufregend war. Das Wei&#223;b&#228;renpaar stie&#223; auf einige Ablehnung, aber die meisten Braunb&#228;ren hatten sich bald daran gew&#246;hnt, dass nun ein Wei&#223;b&#228;renpaar in ihrer Mitte lebte. Und so richteten sie sich ein, lebten ihr kleines, behagliches Wei&#223;b&#228;rengl&#252;ck, und waren bald umgeben von ein paar ihnen herzlich zugetanen Braunb&#228;ren und einigen anderen Wei&#223;b&#228;ren, die sich nun auch trauten, sich als wei&#223;e B&#228;ren zu bekennen.</p>
<p>Es dauerte ein Weilchen, aber dann sahen auch die letzten Braunb&#228;ren, dass die beiden Wei&#223;b&#228;ren sich wirklich liebten. Die beiden Wei&#223;b&#228;ren feierten bald B&#228;renhochzeit und lebten fortan mal im Sonnenland und mal im Braunb&#228;rland &#8211; und sie taten niemandem ein Leid an.</p>

<p style='text-align:left'>&copy; 2010, <a href='http://www.jaeger-dabek.com'>Brigitte Jaeger-Dabek</a>. All rights reserved. </p><div class="seitzeichen" style="margin: 10px 0;"><script type="text/javascript">szu='http%3A%2F%2Fwww.jaeger-dabek.com%2Fder-weisse-baer%2F'; szt='Der+wei%C3%9Fe+B%C3%A4r';</script><script type="text/javascript" src="http://w4.seitzeichen.de/w/32/21/widget_3221b02dc9b1b0710c4562b9a083dc56.js"></script></div>

<p>No related posts.</p>
<p>Ähnliche Artikel bereitgestellt von <a href='http://mitcho.com/code/yarpp/'>Yet Another Related Posts Plugin</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jaeger-dabek.com/der-weisse-baer/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Gottes Schmuddelkinder. Neuer Skandal durch Stern aufgedeckt.</title>
		<link>http://www.jaeger-dabek.com/gottes-schmuddelkinder-neuer-skandal-durch-stern-aufgedeckt/</link>
		<comments>http://www.jaeger-dabek.com/gottes-schmuddelkinder-neuer-skandal-durch-stern-aufgedeckt/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 08 Apr 2010 16:58:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Brigitte Jaeger-Dabek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ditt und Datt]]></category>
		<category><![CDATA[benedikt]]></category>
		<category><![CDATA[katholische kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Maciel Marcial Degollado]]></category>
		<category><![CDATA[Missbrauchsskandal]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jaeger-dabek.com/?p=215</guid>
		<description><![CDATA[Der Stern berichtet &#252;ber weitere Missbrauchsf&#228;lle von Priestern , die aus der Aff&#228;re  einen internationalen Skandal machen. Verstrickt sind in die Vertuschung sowohl Johannes Paul II. als auch Benedikt XVI.


Related posts:<ol><li><a href='http://www.jaeger-dabek.com/was-ist-nur-los-mit-der-katholischen-kirche/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Was ist nur los mit der katholischen Kirche?'>Was ist nur los mit der katholischen Kirche?</a> <small>Nur unbedeutendes Geschwätz von Kirchenkritikern ist nach Worten des Kardinals...</small></li>
</ol>

Ähnliche Artikel bereitgestellt von <a href='http://mitcho.com/code/yarpp/'>Yet Another Related Posts Plugin</a>.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p id="div_article_headline">Der mexikanische Pater Maciel  Marcial Degollado ist das neusete Schmuddelkind der Missbrauchsszene in der katholischen Geistlichkeit.  Unter dem Titel &#8220;<a href="http://www.stern.de/panorama/pater-maciel-marcial-degollado-gottes-schmutziger-legionaer-1556469.html" target="_blank">Gottes schmutziger Legion&#228;r</a>&#8221; widmet ihm der Stern in der heutigen Ausgabe einen Artikel.</p>
<p>Dort wird berichtet, dass Degollado, der Gr&#252;nder des Ordens &#8220;Legion&#228;re Christi&#8221; und wichtigster sowie erfolgreichster Spendenbeschaffer der Kirche selbst gar kein so gottgef&#228;lliges Leben f&#252;hrt. Zwei Frauen mit drei Kindern g&#246;nnt sich der Pater. Doch das reichte dem frommen Gottesmann sexuell nicht aus, er ist obendrein p&#228;dophil, missbrauchte seinen eigenen Sohn und vergewaltigte zwischen 30 und hundert  minderj&#228;hrige Seminaristen.</p>
<p>Diese Vorw&#252;rfe, die eher wie aus einem Horrorfilm als aus dem Kirchenalltag anmuten sind dem Vatikan seit langem bekannt. Doch wurden seit Jahren alle Untersuchungen abgeblockt. Degollado war nicht nur der Top-Spendenaquisiteur, er war auch ein  besonderer Sch&#252;tzling des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. Auch der jetzige Papst Benedikt XVI. ist involviert. Als  der damalige Kardinal Josef Ratzinger  noch die  Glaubenskongregation leitete, stellte seine Stelle das Untersuchungsverfahren ein.</p>
<p>Der Artikel schlug in Polen wie eine Bombe ein. Das Nachrichtenmagazin &#8220;Newsweek Polska&#8221; sieht sogar die Seligsprechung von Papst Karol Woytyla in Gefahr. Noch im Herbst 2004, als er schon schwer krank war und die Vorw&#252;rfe gegen Maciel Marcial Degollado bekannt waren, lud er diesen mitsamt 4000 weiteren Personen zu einer speziellen Audienz anl&#228;sslich der 60. Wiederkehr der Priesterweihe Degollados ein.</p>
<p>Erst im Mai 2006<a href="http://www.zenit.org/article-9679?l=german" target="_blank"> verdonnerte ihn die Glaubenskongregation</a> zu  einem Leben des Gebetes und der Bu&#223;e. Von da an verzichteteer  auf &#246;ffentliche Auftritte und starb 2008. Kirchenrechtlich wurde der Pater nie belangt. Nur sein Orden &#8220;Legion&#228;re Christi&#8221; entschuldigten sich f&#252;r das Verhalten ihres Gr&#252;nders  und distanzierten sich von ihm.</p>
<p>Als &#8211; wenn auch nicht katholische &#8211; Christin frage ich mich, was das f&#252;r eine Kirche ist, die nicht Seiten der Schwachen und Opfer steht. Wie will man so das Evangelium predigen, Christi Liebe und Barmherzigkeit, wenn es Letztere nur f&#252;r die T&#228;ter, aber nicht die Opfer gibt. Was ist das f&#252;r eine Kirche, in der von ganz oben Misset&#228;ter aus den eigenen Reihen gedeckt werden?</p>

<p style='text-align:left'>&copy; 2010, <a href='http://www.jaeger-dabek.com'>Brigitte Jaeger-Dabek</a>. All rights reserved. </p><div class="seitzeichen" style="margin: 10px 0;"><script type="text/javascript">szu='http%3A%2F%2Fwww.jaeger-dabek.com%2Fgottes-schmuddelkinder-neuer-skandal-durch-stern-aufgedeckt%2F'; szt='Gottes+Schmuddelkinder.+Neuer+Skandal+durch+Stern+aufgedeckt.';</script><script type="text/javascript" src="http://w4.seitzeichen.de/w/32/21/widget_3221b02dc9b1b0710c4562b9a083dc56.js"></script></div>

<p>Related posts:<ol><li><a href='http://www.jaeger-dabek.com/was-ist-nur-los-mit-der-katholischen-kirche/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Was ist nur los mit der katholischen Kirche?'>Was ist nur los mit der katholischen Kirche?</a> <small>Nur unbedeutendes Geschwätz von Kirchenkritikern ist nach Worten des Kardinals...</small></li>
</ol></p>
<p>Ähnliche Artikel bereitgestellt von <a href='http://mitcho.com/code/yarpp/'>Yet Another Related Posts Plugin</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jaeger-dabek.com/gottes-schmuddelkinder-neuer-skandal-durch-stern-aufgedeckt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Leben in der Fremde</title>
		<link>http://www.jaeger-dabek.com/leben-in-der-fremde/</link>
		<comments>http://www.jaeger-dabek.com/leben-in-der-fremde/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 08 Apr 2010 13:59:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Brigitte Jaeger-Dabek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[allenstein]]></category>
		<category><![CDATA[ermland]]></category>
		<category><![CDATA[erzählung]]></category>
		<category><![CDATA[geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[ostpreußen]]></category>
		<category><![CDATA[polnisch]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jaeger-dabek.com/?p=211</guid>
		<description><![CDATA[Tagelang war Johanna Dresp ruhelos durch ihre ziemlich zerst&#246;rte Stadt Allenstein gelaufen, hatte alle Pl&#228;tze aufgesucht, an denen ihre Kinder und Verwandten gelebt hatten, aber niemand war mehr da. 


Related posts:<ol><li><a href='http://www.jaeger-dabek.com/daheim-fruehstueckten-wir-pfirsiche/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Daheim fr&#252;hst&#252;ckten wir Pfirsiche'>Daheim fr&#252;hst&#252;ckten wir Pfirsiche</a> <small>Willy Zander war kein Sonntagskind, keiner von der Sorte Mensch,...</small></li>
<li><a href='http://www.jaeger-dabek.com/heimat-oder-was/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Heimat oder was?'>Heimat oder was?</a> <small>Eine komplizierte Frage ist dieses Thema „Sind wir Nachgeborenen, wir...</small></li>
</ol>

Ähnliche Artikel bereitgestellt von <a href='http://mitcho.com/code/yarpp/'>Yet Another Related Posts Plugin</a>.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Tagelang war Johanna Dresp ruhelos durch ihre ziemlich zerst&#246;rte Stadt Allenstein gelaufen, hatte alle Pl&#228;tze aufgesucht, an denen ihre Kinder und Verwandten gelebt hatten, aber niemand war mehr da.</p>
<p>Sie war allein zur&#252;ckgeblieben. Als pl&#246;tzlich die Russen am Stadtrand standen, hatte keiner mehr Zeit gehabt, die alte Frau zu holen, alle waren in wilder Panik von dort geflohen, wo sie gerade waren.<br />
Kaum dass sie &#252;berhaupt mal einen Menschen in der Stadt gesehen hatte, war denn niemand mehr au&#223;er ihr da? Zwischen ihren Streifz&#252;gen sa&#223; sie immer wieder Stunden am K&#252;chenfenster und schaute hinaus. Was sie sah waren Russen, zu Fu&#223;, auf Panzern und manchmal bewachten sie deutsche Soldaten, die sie in langen Schlangen durch die Stadt trieben. Dann hatte Johanna schon seit zwei Tagen keine deutschen Soldaten mehr gesehen. Was mochte aus dem Krieg geworden sein? War &#252;berhaupt noch Krieg? Nichts wusste sie, nichts.</p>
<p>Dann hatte sie ihre ehemalige Nachbarin getroffen, doch es gab noch Deutsche in der Stadt, hatte die ihr erz&#228;hlt, Frauen und Kinder meistens, aber niemand traute sich auf die Stra&#223;e aus Angst.</p>
<p>Johanna war schon fast achtzig Jahre alt, verh&#228;rmt und immer schwarz gekleidet wirkte sie eher noch &#228;lter. Sie meinte jedenfalls, sie w&#228;re zu alt um Angst vor den Russen haben zu m&#252;ssen, wer w&#252;rde ihr alter Frau schon etwas tun?  Dann kamen die Russen, polterten durch die gro&#223;e leere Wohnung, die ihrem Sohn Walter geh&#246;rte, nahmen alles mit, was nicht niet- und nagelfest war. Und sie bombardierten sie mit Fragen, deutsch gestellten Fragen.</p>
<p>Johanna verstand sie kaum, antwortete polnisch, denn immer noch sprach sie besser polnisch als deutsch. Sich mit den Feinheiten der erml&#228;ndischen Gesellschaft und Geschichte zu befassen, zu verstehen, warum die Muttersprache dieser deutschen Frau dem Polnischen so viel n&#228;her war, als dem Deutschen, fehlte den Rotarmisten die Geduld. Frau, Du weg hier, Wohnung f&#252;r Kommandant hie&#223; es im Br&#252;llton.</p>
<p>Johanna war verst&#246;rt, schaute ratlos von einem Soldaten zum anderen. Denen ging es nicht schnell genug, mit dem Gewehr sto&#223;end, trieben sie die alte Frau aus der Wohnung. Sie blutete, einer der Soldaten hatte eine gewaltige Alkoholfahne und der kleinen alten Frau mit dem Gewehrkolben auf den Kopf geschlagen.</p>
<p>Unterschlupf fand sie in einem Keller, schlimm sah sie aus mit ihrer eingeschlagenen Nase, ihr Ged&#228;chtnis litt durch den Zwischenfall. Keiner k&#252;mmerte sich um die alte Frau, sie lebte in einem Albtraum und einer Umwelt, die ihr von einem Tag auf den anderen fremd geworden war, die sie nicht verstand. Sie war zu alt, zu hilflos, sich in dieser Welt zurecht zu finden, die ihr niemand erkl&#228;rte. Alle ihre menschlichen Beziehungen und Bindungen waren zerrissen. Auch nach Wochen war keiner ihrer Angeh&#246;rigen zur&#252;ckgekehrt, daf&#252;r waren nun Polen gekommen. Auch in die Wohnung, in der sie mit der Familie ihres Sohnes gelebte hatte, war eine polnische Familie eingezogen. Sie hatte versucht, ein paar von ihren Sachen zu bekommen, man sprach ja die gleiche Sprache. Sie sprach doch Polnisch, aber das half ihr auch nicht, fortgejagt wurde die Hitlerowka.</p>
<p>Wenige deutsche Menschen waren zur&#252;ckgekehrt und die berichteten, der Krieg w&#228;re zu Ende, jemand hatte auch gesagt, das hier w&#252;rde nun ganz zu Polen kommen. Daf&#252;r sprach, dass immer mehr Polen in die Stadt kamen.</p>
<p>Sie fragte jeden Deutschen, den sie in der Stadt traf nach den Ihren, aber niemand wusste etwas, niemand hatte einen von ihnen getroffen. Wochenlang irrte sie rastlos, hilflos durch die Stadt, in der sie sich nicht mehr auskannte, nachdem die Altstadt auch noch von betrunkenen Rotarmisten in Brand gesetzt worden. Sie lief herum, bis jemand von ihrem Bruder berichtete, dem Eisenbahner, der in Osterode lebte und dort geblieben war.</p>
<p>Sie machte sich auf den Weg, zu Fu&#223;, und war tagelang unterwegs. Sie kannte die Landschaft, die Orte, hatte ja ihr ganzes Leben hier verbracht und doch war ihr alles fremd geworden, denn da war kein Mensch mehr, der ihr vertraut war. Die Menschen, die nun kamen oder schon hier waren, standen ihr feindlich gegen&#252;ber, auch wenn sie Polnisch mit ihnen sprach und verscheuchten sie. Schleierhaft war ihr, woher man etwas zu Essen bekommen sollte. Wer k&#246;nnte helfen, wer Ordnung schaffen? Wer hatte die Macht? Die Russen? Die Polen? Alle? Hilflos, versch&#228;mt und leise bettelte sie Menschen um etwas Essbares an, wusste nicht, vor wem sie sich h&#252;ten musste, wem sie trauen konnte.</p>
<p>In Osterode dann endlich fand sie ein St&#252;ckchen Geborgenheit, sie schl&#252;pfte bei ihrem Bruder unter und klammerte sich an dieses kleine Restchen des vertrauten Lebens. Aber auch hier gab es kaum noch Bekanntes, Johanna Dresp verstand die Welt, die bis vor ein paar Wochen ihre Heimat gewesen war nicht mehr.</p>
<p>Gro&#223; geworden war Johanna Dresp in einer Welt, in der polnische Sprache und deutsche Identit&#228;t kein Widerspruch waren. Da st&#246;rte es bis zur Nazizeit niemanden, dass sie Zeitlebens besser Polnisch als Deutsch gesprochen hatte. Weil das so war, hatte die Familie bei gewissen Gelegenheiten w&#228;hrend der Nazizeit oft Blut und Wasser geschwitzt, und sie lieber versteckt.</p>
<p>Und nun wurde sie ausgewiesen, vertrieben als Deutsche. So etwas verwirrte auch j&#252;ngere Menschen. Johanna Dresp aber war alt, ihr Alltagsleben war restlos aus den Fugen geraten und sie fand sich nicht mehr zurecht, nicht in ihrer nun polnischen Heimat wo sie die Deutsche, die Hitlerowka war, und auch nicht in Deutschland, wo sie die Pollacksche war.</p>

<p style='text-align:left'>&copy; 2010, <a href='http://www.jaeger-dabek.com'>Brigitte Jaeger-Dabek</a>. All rights reserved. </p><div class="seitzeichen" style="margin: 10px 0;"><script type="text/javascript">szu='http%3A%2F%2Fwww.jaeger-dabek.com%2Fleben-in-der-fremde%2F'; szt='Leben+in+der+Fremde';</script><script type="text/javascript" src="http://w4.seitzeichen.de/w/32/21/widget_3221b02dc9b1b0710c4562b9a083dc56.js"></script></div>

<p>Related posts:<ol><li><a href='http://www.jaeger-dabek.com/daheim-fruehstueckten-wir-pfirsiche/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Daheim fr&#252;hst&#252;ckten wir Pfirsiche'>Daheim fr&#252;hst&#252;ckten wir Pfirsiche</a> <small>Willy Zander war kein Sonntagskind, keiner von der Sorte Mensch,...</small></li>
<li><a href='http://www.jaeger-dabek.com/heimat-oder-was/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Heimat oder was?'>Heimat oder was?</a> <small>Eine komplizierte Frage ist dieses Thema „Sind wir Nachgeborenen, wir...</small></li>
</ol></p>
<p>Ähnliche Artikel bereitgestellt von <a href='http://mitcho.com/code/yarpp/'>Yet Another Related Posts Plugin</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jaeger-dabek.com/leben-in-der-fremde/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
